Die Automobilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Ländern wie Deutschland und Österreich. Diese Länder sind wohlhabend geworden dank des Verbrennungsmotors, den man auf eine Kutsche setzte und bis zur Perfektion als Automobil weiterentwickelt wurde.
Doch mit dem Umstieg von Verbrennungsmotoren auf Elektromotoren hängt seit Jahren ein Damoklesschwert über der traditionellen Automobilindustrie. Ein Drittel aller Mitarbeiter kümmert sich um das Design, die Fertigung, die Montage oder die Wartung von Komponenten um den Verbrennungsmotor. Ein Elektroantrieb mit einem Zehntel der Komponenten benötigt dementsprechend weniger Beschäftigte. Ein Horrorszenario für viele Unternehmen und den Regionen in denen sie tätig sind, die signifikante Arbeitsplatzverluste befürchten.
Es überrascht somit nicht, dass Politiker – und hier speziell die Konservativen – in Deutschland und Österreich dieses Thema für sich entdecken. Nicht etwa, indem daran gearbeitet wird, den unvermeidlichen Übergang zur neuen, klimafreundlicheren Antriebsform mit Umschulungsprogrammen und Investitionen in neue Fertigungsstätten zu erleichtern, sondern indem an der alten Technologie möglichst lange festgehalten wird. Dem Ganzen wickelt man das Mäntelchen der „Technologieoffenheit“ um, irreführend anzudeuten, dass mehr Antriebsformen besser für wir Wirtschaft und die Konsumenten sind.
Umfragen, die das eigene Narrativ kaputt machen
In Deutschland machen sich die CDU/CSU oder die AfD stark für Verbrenner und gegen ein – nicht existierendes – Verbrennerverbot, in Österreich sind es die ÖVP und FPÖ. Dabei kommt es zu demaskierenden Momenten. So erlitt eine Umfrage der CDU zum Verbrennerverbot Schiffbruch, die die Partei durch E-Mails an ihre Wähler bewarb. Zur Frage „Unterstützen Sie die Forderung zur Rücknahme des Verbrenner-Verbotes?“ stimmten 86% der Teilnehmer mit Nein. Daraufhin warf die CDU massive Manipulation vor und beendete nach nicht mal 24 Stunden die Umfrage.
In Österreich wiederum lud Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) zu einem „Autogipfel„. Auch hier soll die „Technologieoffenheit“ „geschützt“ und ein EU Verbrenner-Verbot verhindert werden. Dabei gibt es letzteres nicht, denn ab 2035 dürfen nach wie vor Autos mit Verbrennungskraftmotoren verkauften werden, unter der Bedingung, dass sie mit nachhaltig erzeugten Flüssigkraftstoffen – wie beispielsweise e-Fuels – betrieben werden.
Der österreichische Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) zog zum Vergleich Faxgeräte und Telefonzellen heran, die auch nicht verboten worden waren. Das ist richtig, und wie schon erwähnt, trifft das auch auf Verbrennungsmotoren zu.
Faxgeräte und Telefonzellen
Doch wir wissen bereits, wie das mit den Faxgeräten und Telefonzellen ausgegangen ist. Im Jahr 2022 kündigte die Deutsche Telekom an, von den ursprünglich 160.000 Telefonzellen, von denen Ende 2022 bereits mehr als 90% aus dem Straßenbild verschwunden waren, bis 2023 auch die restlichen 12.000 Telefonzellen vollständig abzubauen. Telefonzellen waren durch Smartphones ersetzt worden, die jeder und jede mit sich herumträgt.
Und Faxgeräte? Auch die wurden nicht verboten und es gibt sie noch, doch wie groß ist deren Umsatz? Dazu geben Marktstudien Auskunft. So lag 2023 der weltweite Umsatz von Faxgeräten bei 825,7 Millionen Euro (898,3 Millionen Dollar), von dem 33% auf die USA und 26% auf die EU entfiel. Von den 214,7 Millionen Euro Umsatz für Europa lag der Umsatz an Faxgeräteverkäufen in Deutschland bei 40 Millionen Euro, in Österreich bei 4 Millionen Euro.
Vom Sinn des Autogipfels
Hätte vor 20 Jahren, als das Internet aufgekommen war, ein solch prognostizierter Umsatz für das Jahr 2024 einen Telefonzellen- oder Faxgipfel der Bundesregierung gerechtfertigt, um die sich abzeichnende Ablösung der alten Technologie zu verhindern?
Wohl kaum. Der Autogipfel ist wenig mehr als eine Politshow, bei der statt zukunftsbereitenden Alternativen und Maßnahmen das Bestehende erhalten bleiben soll. Und das hat noch nie eine Branche gerettet und die Betroffenen vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes bewahrt. Es führte immer nur zur Verschwendung von Steuergeldern und dem Verschwinden der Industrie im Land, bevor neue Branchen in diesem Land Fuß fassen konnten. Die entstanden dann vorrangig woanders.

