Impfzentrum in Kalifornien im Coliseum

COVID: Nein, die EU ist nicht ‚zu nett‘, sie denkt einfach nicht in ‚First Principles‘

Einiges ging in der Europäischen Union schief, anderes gut, seit die Pandemie die Welt im Griff hat. Was aber seit einigen Monaten nun klar wird ist der Grad an Inkompetenz der Europäischen Behörden und lokalen Regierungen, die die Pandemie nun … COVID: Nein, die EU ist nicht ‚zu nett‘, sie denkt einfach nicht in ‚First Principles‘ weiterlesen

Silicon Valley Exodus: Das Ende vom Tal der Innovation?

Zuerst COVID, dann Palantir, dann Hewlett Packard Enterprise und nun Oracle. Die Nachrichten der letzten Wochen und Monate erwecken den Eindruck, dass die Gegend um San Francisco und San José, besser bekannt als das Silicon Valley, die beste Zeit vorbei hat. Die Corona-Krise führte dazu, dass die ansässigen Unternehmen ihren Mitarbeitern Home Office ermöglichten mussten, die viele dazu verleitete nachzudenken, ob es wohl wert wäre, die teuren Mieten zu bezahlen. Ein Zimmer in einer WG in San Francisco kann schon mal locker 3.500 Dollar kosten – pro Monat. Abgesehen von der katastrophalen Verkehrssituation, sobald man mit dem Auto pendeln musste. Kein Wunder, dass eine signifikante Zahl an Mitarbeitern in das Umland oder gleich in andere US Bundesstaaten zogen. Isolierter, im Grünen und vor allem viel günstiger. Und dank Internet und Videokonferenzwerkzeugen geht das auch.

Das von Peter Thiel mitfinanzierte und geheimnisvolle Unternehmen Palantir hatte schon Mitte 2019 angekündigt, aus dem Silicon Valley fortzuziehen und Denver in Colorado seine Heimat zu machen. Dann aber kündigten das Silicon Valley-Urgestein Hewlett Packard – oder genauer: Hewlett Packard Enterprise – und Oracle an, ihre Hauptsitze aus dem Silicon Valley nach Austin in Texas verlegen zu wollen. Und das klingt in den Ohren vieler schon nach dem Abgesang für die Innovationsregion der Welt.

Nur: stimmt das so?

Dazu müssen wir uns die Hintergründe des Wegzuges, die Art der Unternehmen, die Geschichte des Silicon Valleys und die Risiken für wegziehende Firmen betrachten.

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Statt TikTok kaufen wir Monsanto

Vom Shooting Star zum verabscheuten Spionagewerkzeug hin zum Übernahmeziel ist es manchmal nur ein kurzer Weg. Die chinesische Musik- und Kurzvideoplattform TikTok erlebte in den letzten Jahren und speziell seit dem COVID-Lockdown einen steilen Anstieg. Zwei Milliarden Downloads sah die App bisher, von denen alleine 315 Millionen nur in den ersten drei Monaten von 2020 stattfanden. Vier- bis Fünfzehnjährige sind täglich 80 Minuten auf der App, nur fünf Minuten hinter YouTube. In Indien gibt es 119 Millionen Benutzer, in den USA 165 Millionen.

ByteDance, die Firma hinter der immens populären App, hat aktuell 6 Milliarden Dollar in Cash am Bankkonto und hätte eigentlich keine Eile, TikTok an die Börse zu bringen oder zu verscherbeln. Der Wert von TikTok wird auf 150 bis 180 Milliarden Dollar geschätzt.

Ja wenn da nicht mit dem rasanten Anstieg an Popularität nicht einiger Gegenwind entstanden wäre. So stellte sich heraus, dass die TikTok-App gelinde gesagt etwas großzügig mit der Interpretation von Datenschutz umgeht und neben den üblichen Daten wie IP-Adresse oder Geolokation auch Zugriff auf E-Mail-Adresse oder sogar den Zwischenspeicher haben kann. Den Kritikern Munition gaben auch einige Security-Löcher, und ByteDances rigoroser Auslegung von Forderungen der chinesischen Regierung nach Zensur von Inhalten. So werden kritische Inhalte zur Unterdrückung von Minoritäten in China oder Erwähnungen zum Tian’anmen-Massaker entfernt oder versteckt.

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DAX und das Innovationsdilemma: Wenn Deutsche Wohnen die Lufthansa ersetzt

Wie viele andere Unternehmen in der Transport- und Reisebranche kämpft auch Deutschlands Aushängeschild Lufthansa mit der COVID-19-Pandemie und den erlassenen Ausgehverboten und Grenzschließungen. Stand das Unternehmen Anfang des Jahres noch gut da, hat es sich in nur wenigen Monaten (unverschuldet) zu einem Sanierungsfall entwickelt. Die eingebrochene Börsenbewertung zwang den DAX, die Lufthansa mit einem anderen Unternehmen zu ersetzen, und dieses ist – Deutsche Wohnen.

Deutsche Wohnen ist aktuell mit €14,6 Milliarden bewertet, während es die Lufthansa nur mehr auf €5,2 Milliarden schaffte, die Hälfte von Anfang des Jahres. Jetzt sei Deutsche Wohnen der Erfolg gegönnt, doch trotzdem lässt dieser Tausch ein schales Gefühl zurück.

Inspirationen aus Übersee

Wenn wir diesen Tausch in Zusammenhang mit anderen Ereignissen der vergangenen Tage stellen, dann wird er Grund für das schale Gefühl klar. So brachte SpaceX als erstes Privatunternehmen in der Raumfahrtgeschichte eine mit den Astronauten Doug Hurley und Bob Behnken bemannte Rakete ins All zur Raumstation ISS. Die erste Stufe der Rakete landete wie bereits dutzende Male zuvor sicher auf einer im Atlantik schwimmenden Landeplattform.

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The Innovator’s Dilemma Clayton Christensen ist von uns gegangen

Manch Innovationsmanager oder Vortragender, der den Begriff „disruptive Innovation“ verwendet, wird es nicht wissen, aber dieser Begriff wurde von Harvard-Professor Clayton Christensen gemünzt.

In meinen Büchern, die sich viel mit Innovation, Disruption und menschlichen Verhaltensweisen beschäftigten, verwies ich immer wieder auf Christensens Werke und Ergebnisse. Jedes seiner Bücher waren Pflichtlektüre für mich.

Diese Woche ist Clayton Christensen 67-jährig von uns gegangen und ich wollte drei Videos von ihm teilen, die einen tollen Überblick über seine Herangehensweise und sein Menschenverständnis zeigen.

Das erste Video ist über den Job, den ein Milchshake macht und für den er „angeheuert“ wird.

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Die Zunge des Spechts ODER Die digitale Anti-Renaissance

An die siebentausend eng mit Notizen und Zeichnungen beschriebenen Seiten haben Leonardo da Vincis Nachlass überlebt. Es wird vermutet, dass das ein Viertel seines umfangreichen Schaffens darstellte, das alle damals bekannten Bereiche der Wissenschaft und Kunst umfasste. So groß war da Vincis Hunger nach Wissen gewesen, dass er sich immer wieder in neue Fragestellungen verzettelte, und nur wenige seiner Aufträge beenden konnte. Ein wahrer Renaissance-Mensch mit Tendenzen zum Prokrastinieren.

Die Renaissance war einerseits ein Interesse an den Lehren der klassischen Antike, andererseits aber auch das endgültige Loslösen davon und der Beginn der modernen Wissenschaften. Da Vinci war ein ganz wichtiger Vertreter, weil er stärker als alle vor ihm und seine Zeitgenossen Experimente durchführte. Als uneheliches Kind geboren genoß er nicht die Vorzüge eines Buchgelehrten. Die wichtigsten Bücher damals waren noch in Latein, was er nie gelehrt bekam, und der Buchdruck gerade erst erfunden worden und Bücher in der lokalen Sprache erst im Kommen.

Was ihm hier fehlte füllte er aber mit Neugier und Experimenten aus. Er konstruierte für viele seiner Fragestellungen Versuchsapparate um die Antworten zu finden. Unter anderem entwickelte er ein Glasherz, um zu sehen wie sich die Herzklappen öffnen und schließen. Etwas, das erst wieder in der Mitte des 20. Jahrhunderts gelingen sollte. „Die Zunge des Spechts ODER Die digitale Anti-Renaissance“ weiterlesen

Wenn 2018 in Europa noch immer das iPhone 6 vorherrscht

Ein Technologiemagazin befragte unlängst einige in der Techszene bekannte Persönlichkeiten, was sie denn so auf Reisen immer mit dabeihaben. Der digitale Evangelist eines deutschen Autokonzerns erwähnte dabei sein iPhone 6. Wie? iPhone 6 im Jahr 2018? Seither waren das iPhone 7, 8, X und Xs erschienen, wobei letztere unter anderem Gesichtserkennung eingebaut haben.

Dass Europäer veraltete Technologien verwenden, ist kein Einzelfall. Auch europäische Journalisten, die ich im Silicon Valley traf, hatten teilweise drei bis vier Jahre alte iPhones.

Ein ähnliches Bild ergab sich auf einer Fachmesse in Deutschland, wo Innovationsmanager, Entwicklungsleiter und Produktmanager von Tehcnologiekonzernen alte Smartphones herumtrugen. Auf die Frage, wer von den 100 Teilnehmern ein iPhone X oder ein Smartphone mit Gesichtserkennung habe, zeigte nur einer auf. Auf die Frage, wer zuhause einen Sprachassistenten wie Google Home oder Amazon Echo im Einsatz habe, rührten sich drei Hände. „Wenn 2018 in Europa noch immer das iPhone 6 vorherrscht“ weiterlesen

Innovationsschüchternheit

Dort wo die zarten Knospen sprießen, scheinen Bäume am empfindlichsten zu sein. Manche Baumsorten die sich in Wäldern zu nahe kommen vermeiden den Kontakt mit ihren Artgenossen. Im Schirm bilden sich Abstände zwischen den einzelnen Baumkronen, die wie Kapillaren wirken. Das Phänomen tritt nicht bei allen Baumarten auf. Buche und Esche scheinen besonders sensibel zu sein und halten Abstand, Linden gingen schmiegen sich aneinander.

Warum sich die Baumkronen nicht berühren – es zu diesem Phänomen der ‚Baumkronenschüchternheit‘ kommt – darüber sind sich Forscher nicht ganz einig. Es kann einerseits ein Schutz vor Schädlingen sein, denen ein Übergreifen von einem Baum auf den nächsten schwerer gemacht wird, andererseits aber mit der Sensibilität der Zweigspitzen, die durch Wind aneinander gerieben werden und so zum Abstand zwischen den einzelnen Baumkronen führen.

Berührungsängste oder Infektionsschutz, was auch immer es ist, dieses Naturphänomen scheint eine Metapher für ein Unternehmensphänomen zu sein. Nämlich warum es vielen etablierten Firmen so schwer fällt, innovativ zu sein.

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Wie hilfreich ist die Theorie der Disruptiven Innovation?

Die Theorie der disruptiven Innovation, die von Harvard-Professor Clayton Christensen entwickelt worden war und er in seinem Buch The Innovator’s Dilemma beschrieb, hat wie keine andere Einfluss auf das Verständnis von der Funktionsweise von Innovation. Wieso scheitern führende Unternehmen mit vorhersagbarer Regelmäßigkeit daran, disruptive Innovation vorherzusehen und zu treiben?

Kein Wunder, dass sie immer wieder Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen ist. Wie genau funktionieren solche Disruptionen und wie ist damit das Schicksal großer Unternehmen vorhersagbar? Haben sie wirklich keine Chance disruptive Innovation zu überleben?

Das MIT publizierte nun eine Studie, die näher auf Disruptionen aus verschiedenen Industrien einging, um quantitative Zahlen zu erhalten. Dabei wurde auf 77 Unternehmen eingegangen, die Christensen in seinen Werken beschrieb, und von denen ich hier bereits in separaten Beiträgen eingegangen bin.

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Ein mathematisches Modell der Innovation

Inkrementelle und disruptive Innovation sind die zwei gröbsten Unterscheidungen, wie wir Innovation einteilen. Inkrementelle Innovation kommt schrittweise. Darunter fallen beispielsweise die Verbesserung eines Fertigungsprozesses, oder die sukzessive Verringerung der Abgasemissionen eines Verbrennungsmotors. Disruptive Innovation hingegen scheint als ob sie in Sprüngen kommt. Pferdekutschen werden von Autos hinweg gefegt, Film von Digitalkameras, das Handy von Smartphone.

Doch selbst disruptive Innovation kommt nicht aus dem Nichts. Zurecht weisen Kritiker immer darauf hin, dass ein Smartphone ja nicht wirklich eine Innovation war. Der Touchscreen existierte schon länger, auch der Computerchip der in den Smartphones verwendet wird.

Und damit haben sie recht. So wie in der Evolution nicht aus heiterem Himmel der Mensch da war, sondern sich zuerst Leben in einfacher Form hin zu immer komplexeren Organismen bis hin zum Menschen entwickelt hat, benötigt Innovation die zugrunde liegenden Bausteine. Miteinander kombinierte Bausteine wiederum bilden eigen, neue Bausteine, mit denen sich komplexere Objekte bilden lassen. Es lässt sich aber erst dann bilden, sobald die Bausteine vorhanden waren und damit die Möglichkeit schaffen. Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis jemand diese Kombination macht. Bereits 1922 haben zwei Forscher 140 Beispiele vorgelegt, wo Innovatoren unabhängig voneinander ein und dieselbe Idee umgesetzt haben. Eine Innovation wird somit fast unvermeidlich. „Ein mathematisches Modell der Innovation“ weiterlesen