Impfzentrum in Kalifornien im Coliseum

COVID: Nein, die EU ist nicht ‚zu nett‘, sie denkt einfach nicht in ‚First Principles‘

Einiges ging in der Europäischen Union schief, anderes gut, seit die Pandemie die Welt im Griff hat. Was aber seit einigen Monaten nun klar wird ist der Grad an Inkompetenz der Europäischen Behörden und lokalen Regierungen, die die Pandemie nun … COVID: Nein, die EU ist nicht ‚zu nett‘, sie denkt einfach nicht in ‚First Principles‘ weiterlesen

Genderstereotypisierung bei Googles Übersetzungs-KI

Als wichtiges Thema in der Entwicklung künstlicher Intelligenz kristallisiert sich immer mehr die Datenverzerrung dar, die durch schlecht kuratierte Daten entstehen. Dazu muss man wissen, dass heutige KI durch Maschinenlernen mit Millionen und Abermillionen Datensätzen gefüttert wird. Woher diese Daten kommen und wer sie auswählt und zusammenstellt, ist dabei entscheidend. Hat ein solches Datenset, das Gesichter erkennen soll, vorwiegend Gesichter mit heller Hautfarbe oder mehr Männer statt Frauen, dann werden solche zwar gut erkannt, aber die KI macht dann bei Frauen oder dunkelhäutigen Menschen, oder gar in Kombination bei der Gesichtserkennung von dunkelhäutigen Frauen mehr Fehler.

Mag das bei der Gesichtserkennung nicht gleich so tragisch sein, kann es bei anderen System über Leben und Tod, Gefängnis oder Freiheit, oder Kreditvergabe oder Ablehnung führen. Eine weitere Falle ist, dass menschliche Stereotypen in den System verankert und vertieft werden. Einen solchen Fall entdeckte die in Helsinki lebende Russin Anna Kholina. Sie lies von Google Translate, eine KI-basierte Online-Übersetzungssoftware, einige Sätze aus der geschlechtsneutralen finnischen Sprache ins Englische übersetzen. Das Ergebnis widerspiegelte Gender-Stereotypen. Sätze, die das System mit typisch weiblichen Aktivitäten verband, wurden mit dem weiblichen Fall übersetzt, solche mit typisch männlichen Aktivitäten mit dem männlichen Fall.

Solche Übersetzungen stellen ein Problem dar, wenn es darum geht, Gender-Stereotypen auszumerzen. Dass Frauen wählen dürfen, studieren und Berufe ergreifen können, und selbst bis vor kurzem nur Männern offen gestanden Rollen heute auch selbstverständlich ausüben können, ist nicht selbstverständlich und hat sehr viel auch mit der Sprache und dem Aufzeigen von Möglichkeiten zu tun.

„Genderstereotypisierung bei Googles Übersetzungs-KI“ weiterlesen

FaceApp und das süße Motorrad-Mädchen

Ein unscheinbarer Twitter-Account mit einer hübschen jungen Dame, die sich als Motorrad-Enthusiastin zu erkennen gab, hat in Japan viele Fans gewonnen. Immer wieder wurde sie gesehen, wie sie vor der Maschine posierte, mit ihrem Motorrad am Meer stand oder in ihrer Werkstatt daran herum bastelte.

Bis jemand einige Ungereimtheiten entdeckte. Zum Beispiel zeigte ein Bild einen Arm mit etwas zu viel Haar, und in einem Spiegel, der auf einem Foto zu sehen war, ein weiteres kurioses Detail. Das Spiegelbild sah ganz anders aus als die junge Dame. Die Person war nicht nur viel älter, sondern auch ein Mann.

„FaceApp und das süße Motorrad-Mädchen“ weiterlesen

Wie entwirft man einen liebenswerten Roboter?

In einem TED Talk beschreibt die Roboter-Ethikerin Kate Darling vom MIT, wie sie einem Freund einen kleinen Dinosaurier-Roboter vorführte. Dieser kleine Roboter namens Pleo hatte einige Sensoren und Motoren eingebaut, er konnte herumlaufen und seinen Kopf bewegen, aber er konnte auch erkennen, ob er aufrecht stand oder lag. Wenn er lag oder herunterhing, fing er an zu weinen. Darlings Freund untersuchte den Roboter, während er ihn auf den Kopf hielt, was den Roboter zum Weinen brachte. Darling fühlte sich dabei so unwohl, dass sie den Roboter von ihrer Freundin zurücknahm.

Pleo Spielzeugroboter

Ihre Reaktion darauf, dieses Mitleid mit dem Dinosaurier-Roboter, der letztlich nichts weiter als ein Spielzeug war, erstaunte sie selbst, und sie fragte sich, warum wir emotionale Verbindungen zu Maschinen aufbauen.

Darlings Reaktion war nicht ungewöhnlich; das passiert auch anderen. In P. W. Singers Buch „Wired for War“ sprechen amerikanische Soldaten vom „Robo-Hospital“ und nicht von der „Joint Robotics Repair Facility“, wohin sie ihre Drohnen und Entminungsroboter zur Reparatur schicken. Dieselben Soldaten geben ihren Robotern „Begräbnisse mit vollen militärischen Ehren“. Und zu guter Letzt haben wir bereits von den umgestürzten Kiwibots erfahren, die von Passanten sofort wieder aufgerichtet werden, weil sie so ‚traurig‘ aussahen. All das zeigt uns, dass wir Menschen sehr schnell in der Lage sind, solche emotionalen Verbindungen herzustellen. Alles, was sich bewegt und nach Leben aussieht, kann unser Mitgefühl wecken.

„Wie entwirft man einen liebenswerten Roboter?“ weiterlesen

Google-Mitarbeiter gründen Gewerkschaft

Deutschland ist – global betrachtet – ein absolutes Arbeiterparadies. Nicht jenes, dass sich Marx und Engels vorgestellt hatten und die DDR verwirklichen wollte und kläglich scheiterte, sondern eines, wo Gewerkschaften eine gehörige Mitsprache bei Unternehmensbelangen haben. Das führt einerseits zu den durchaus beabsichtigten positiven Ergebnissen, die großzügige Urlaubszeit- und Feiertagsregelungen und geregelte Arbeitszeiten sowie tariflich vereinbarten Löhnen führt. Andererseits kann es zu einer Stagnation der Unternehmen führen, wenn diesen durch Gewerkschaften und Betriebsräten in ihren Reaktionen auf einen Wandel in der Industrie und Wirtschaft die Hände gebunden werden.

Die USA haben in den produzierenden Industrien eine große Tradition von Gewerkschaften, die große Mitsprache in den Unternehmen hatten. In einigen führte das zu richtigen Exzessen, darunter die Automobil- und die Hafenarbeitergewerkschaften, die tatsächlich kriminelle Züge annahmen. Gewerkschaften in den USA (und auch in Deutschland) erleben aber in den letzten Jahrzehnten einen Rückgang bei der Mitgliederanzahl. Traditionell gewerkschaftlich stark organisierte Industrien wie der Bergbau verschwanden, und der Wandel der Wirtschaft von einer durch produzierende Industrien zu einer von Dienstleistungen und kreativen Berufen dominierten Ökonomie verringern die Bedeutung von Gewerkschaften. Schuld ist sicherlich auch das Scheitern der Gewerkschaften selbst, neue und gewandelte alte Berufszweige zu verstehen und entsprechende Angebote an die Arbeitnehmer und Mitglieder zu machen.

In den USA ist dieser Wandel besonders stark zu sehen. Viele produzierende Berufe wurden ins Ausland ausgelagert. China, Mexiko oder Indien sind die heutigen Produktionsstätten, während Arbeiter ohne Hochschulabschluss immer öfter auf der Straße landen, in geringer bezahlten Berufenen wieder finden oder sich gar aus der Arbeitswelt zurückziehen. Die Schere zwischen einer gute bezahlten Elite an hochausgebildeten Arbeitnehmern und dem Rest der Bevölkerung, die oft nur mit Minimumlöhnen ihre Auskommen finden muss, wird immer größer. Speziell im Silicon Valley ist diese Kluft zu sehen, wo Jahresgehälter von 150.000 oder 250.000 Dollar für Mitarbeiter von Google, Apple und Co. fast schon als Unterbezahlung betrachtet werden.

„Google-Mitarbeiter gründen Gewerkschaft“ weiterlesen

Silicon Valley Exodus: Das Ende vom Tal der Innovation?

Zuerst COVID, dann Palantir, dann Hewlett Packard Enterprise und nun Oracle. Die Nachrichten der letzten Wochen und Monate erwecken den Eindruck, dass die Gegend um San Francisco und San José, besser bekannt als das Silicon Valley, die beste Zeit vorbei hat. Die Corona-Krise führte dazu, dass die ansässigen Unternehmen ihren Mitarbeitern Home Office ermöglichten mussten, die viele dazu verleitete nachzudenken, ob es wohl wert wäre, die teuren Mieten zu bezahlen. Ein Zimmer in einer WG in San Francisco kann schon mal locker 3.500 Dollar kosten – pro Monat. Abgesehen von der katastrophalen Verkehrssituation, sobald man mit dem Auto pendeln musste. Kein Wunder, dass eine signifikante Zahl an Mitarbeitern in das Umland oder gleich in andere US Bundesstaaten zogen. Isolierter, im Grünen und vor allem viel günstiger. Und dank Internet und Videokonferenzwerkzeugen geht das auch.

Das von Peter Thiel mitfinanzierte und geheimnisvolle Unternehmen Palantir hatte schon Mitte 2019 angekündigt, aus dem Silicon Valley fortzuziehen und Denver in Colorado seine Heimat zu machen. Dann aber kündigten das Silicon Valley-Urgestein Hewlett Packard – oder genauer: Hewlett Packard Enterprise – und Oracle an, ihre Hauptsitze aus dem Silicon Valley nach Austin in Texas verlegen zu wollen. Und das klingt in den Ohren vieler schon nach dem Abgesang für die Innovationsregion der Welt.

Nur: stimmt das so?

Dazu müssen wir uns die Hintergründe des Wegzuges, die Art der Unternehmen, die Geschichte des Silicon Valleys und die Risiken für wegziehende Firmen betrachten.

„Silicon Valley Exodus: Das Ende vom Tal der Innovation?“ weiterlesen

Statt TikTok kaufen wir Monsanto

Vom Shooting Star zum verabscheuten Spionagewerkzeug hin zum Übernahmeziel ist es manchmal nur ein kurzer Weg. Die chinesische Musik- und Kurzvideoplattform TikTok erlebte in den letzten Jahren und speziell seit dem COVID-Lockdown einen steilen Anstieg. Zwei Milliarden Downloads sah die App bisher, von denen alleine 315 Millionen nur in den ersten drei Monaten von 2020 stattfanden. Vier- bis Fünfzehnjährige sind täglich 80 Minuten auf der App, nur fünf Minuten hinter YouTube. In Indien gibt es 119 Millionen Benutzer, in den USA 165 Millionen.

ByteDance, die Firma hinter der immens populären App, hat aktuell 6 Milliarden Dollar in Cash am Bankkonto und hätte eigentlich keine Eile, TikTok an die Börse zu bringen oder zu verscherbeln. Der Wert von TikTok wird auf 150 bis 180 Milliarden Dollar geschätzt.

Ja wenn da nicht mit dem rasanten Anstieg an Popularität nicht einiger Gegenwind entstanden wäre. So stellte sich heraus, dass die TikTok-App gelinde gesagt etwas großzügig mit der Interpretation von Datenschutz umgeht und neben den üblichen Daten wie IP-Adresse oder Geolokation auch Zugriff auf E-Mail-Adresse oder sogar den Zwischenspeicher haben kann. Den Kritikern Munition gaben auch einige Security-Löcher, und ByteDances rigoroser Auslegung von Forderungen der chinesischen Regierung nach Zensur von Inhalten. So werden kritische Inhalte zur Unterdrückung von Minoritäten in China oder Erwähnungen zum Tian’anmen-Massaker entfernt oder versteckt.

„Statt TikTok kaufen wir Monsanto“ weiterlesen

Wirecard: Ein Desaster für den Digitalstandort Deutschland

Jetzt ist es offiziell: Wirecard, Deutschlands digitales Vorzeigeunternehmen musste nach einer beispiellosen Kursrallye Insolvenz anmelden. Auslöser waren 1,9 Milliarden Euro, die auf den philippinischen Konten nicht bestätigt werden konnten. Deshalb hat der vom Wirecardchef Markus Braun eigentlich als Befreiungsschlag gedachte Prüfungsbericht durch KPMG genau das Gegenteil bewirkt.

Damit handelt es sich in der Geschichte des DAX um das erste dort notierte Unternehmen, das Insolvenz anmelden muss. Nach dem Fehlen der 1,9 Milliarden Euro sind weiter zwei Milliarden Euro an Kreditlinie von den Banken fällig gestellt worden.

Den Schaden haben nun die Anleger, die Banken und der Digitalstandort Deutschland. Zuerst einmal ist nichts am eigentlichen Geschäftsmodell von Wirecard auszusetzen. Als Zahlungsdienstleister den Prozess für kleine Händler global zu vereinfachen und sicherzustellen, ist auch das Erfolgsmodell von digitalen Unternehmen wie Square. Haarig wurde es allerdings, als das dem Unternehmen nicht genügte, und es scheinbar zu Manipulationen bei der Ausweisung der Geschäftstätigkeiten gekommen ist.

Die Hintergründe

2015 wies die Financial Times das erste Mal in mehreren Blogs unter dem Titel House of Wirecard auf Ungereimtheiten hin. So stimmten ausgewiesene Positionen in Deutschland nicht mit den in Singapur eingereichten Zahlen überein. Und die Vorauszahlung von Transaktionen Monate im Vorhinein vor Leistungserstellung von finanzschwachen Unternehmen schien unüblich. Auch waren eine Reihe von Transaktionen undurchsichtig. Die Financial Times begann zu vermuten, dass es sich dabei um Scheintransaktionen handeln könnte, die etwas verschleiern sollten.

„Wirecard: Ein Desaster für den Digitalstandort Deutschland“ weiterlesen

Welche Jobs wird Künstliche Intelligenz uns so bald nicht wegnehmen können?

Zu den Ängsten, die Menschen zu Robotern und Künstlicher Intelligenz immer wieder ausdrücken, ist die um Arbeitsplätze. Welche Jobs werden Menschen machen, wenn Maschinen alles übernehmen? Zuerst mal sind es zwei Arten, wie physische und kognitive Maschinen unsere Arbeit verändern. Einmal dort, wie sie ganze Berufe ersetzen, wie beispielsweise LKW- und Taxifahrer, die durch autonome Autos ersetzt werden; und dann dort, wo sie Berufe verändern, indem sie uns Routinetätigkeiten abnehmen, wie beispielsweise das Ablesen von Röntgenbildern oder das Ausfüllen der Steuererklärung durch einen Steuerberater.

Eine Studie der Oxford University, die vor einigen Jahren einen Schock verursachte, weil die Studienautoren von 47 Prozent aller Berufsgruppen sprachen, die von Computerisierung betroffen sein werden, stellte sich bei genauerer Durchsicht als weniger radikal heraus, als im ersten Moment gedacht. Die Autoren schrieben über einige Aufgaben innerhalb dieser Berufsgruppen, die durch Computerisierung übernommen werden. Die Berufe verschwinden nicht, deren Aufgabenbereiche werden sich ändern.

Ist unsere Sorge also unbegründet oder sollten wir noch stärker in Panik geraten, wenn es um Arbeitsplätze für uns geht? Menschen tendieren dazu, die größte und flexibelste Ressource auf diesem Planeten zu wenig einzusetzen und zu berücksichtigen. Und das ist „menschliches Potenzial“. Seit Jahrhunderten bewegen wir uns weg von physisch beschwerlichen Routinetätigkeiten hin zu solchen, die immer mehr den Einsatz unseres Gehirns verlangen. Immer neue, erfüllendere und das menschliche Potenzial ausschöpfende Tätigkeiten entdecken wir, von denen wir nicht wussten, dass Menschen fähig dazu sein könnten.

Kriterien von vor Robotern sicheren Berufen

Welche Berufe sind nun – egal von welchen zukünftigen Fähigkeiten von Maschinen man ausgeht – sicher vor Robotern?

„Welche Jobs wird Künstliche Intelligenz uns so bald nicht wegnehmen können?“ weiterlesen

DAX und das Innovationsdilemma: Wenn Deutsche Wohnen die Lufthansa ersetzt

Wie viele andere Unternehmen in der Transport- und Reisebranche kämpft auch Deutschlands Aushängeschild Lufthansa mit der COVID-19-Pandemie und den erlassenen Ausgehverboten und Grenzschließungen. Stand das Unternehmen Anfang des Jahres noch gut da, hat es sich in nur wenigen Monaten (unverschuldet) zu einem Sanierungsfall entwickelt. Die eingebrochene Börsenbewertung zwang den DAX, die Lufthansa mit einem anderen Unternehmen zu ersetzen, und dieses ist – Deutsche Wohnen.

Deutsche Wohnen ist aktuell mit €14,6 Milliarden bewertet, während es die Lufthansa nur mehr auf €5,2 Milliarden schaffte, die Hälfte von Anfang des Jahres. Jetzt sei Deutsche Wohnen der Erfolg gegönnt, doch trotzdem lässt dieser Tausch ein schales Gefühl zurück.

Inspirationen aus Übersee

Wenn wir diesen Tausch in Zusammenhang mit anderen Ereignissen der vergangenen Tage stellen, dann wird er Grund für das schale Gefühl klar. So brachte SpaceX als erstes Privatunternehmen in der Raumfahrtgeschichte eine mit den Astronauten Doug Hurley und Bob Behnken bemannte Rakete ins All zur Raumstation ISS. Die erste Stufe der Rakete landete wie bereits dutzende Male zuvor sicher auf einer im Atlantik schwimmenden Landeplattform.

„DAX und das Innovationsdilemma: Wenn Deutsche Wohnen die Lufthansa ersetzt“ weiterlesen