Figures Roboter sortieren 200 Stunden Pakete ohne Pinkelpause

Humanoide Roboter, die tanzen, Saltos machen und Kung-Fu-Schritte ausführen, faszinieren, sagen aber wenig aus, wie sie uns im wirklichen Leben helfen können. Wenn, dann ist die einzige Erkenntnis daraus, dass die Roboter-Hardware einen Stand erreicht hat, langweilige, gefährliche oder gesundheitsgefährdende Aufgaben zu erledigen, die sie uns Menschen abnehmen sollten.

Brett Adcock sieht das ähnlich, Schon vor einiger Zeit rief er andere Roboterhersteller dazu auf, minutenlange, ungeschnittene Videos zu zeigen, wo die Roboter nicht nur einfach ein paar spektakuläre Bewegungen zeigen, sondern sie autonom sinnvolle Aufgaben erledigen. Er selbst preschte dabei mit mehreren Videos vor, die zeigten, wie Figures Roboter einen Kühlschrank einräumen, Geschirrspüler aus- und einräumen, oder das Wohnzimmer aufräumen.

Nun ging Figure einen Schritt weiter: vier humanoide Roboter (Figure 03) sollten vollständig autonom abwechselnd so lange Päckchen sortieren, bis sie versagen, es also zu einem mechanischen oder Softwarefehler kommt. Die Aufgabe war klar: unterschiedliche Arten von Paketen und Päckchen wurden dem Roboter hingeschoben, die er dann mit dem Adressetikett nach unten auf ein Förderband weiterschieben musste. Das Ganze wurde Live gestreamt, und vier Humanoide wechselten sich ab. In den Pausen wurden die Roboter geladen und die Gelenke und Chips gekühlt. Nach 200 Stunden wurde der Versuch ohne den ursprünglich anvisierten Fehlerpunkt zu erreichen, beendet und mit Sekt gefeiert.

In den 200 Stunden sortierten die Roboter zusammen knapp 250.000 Pakete, und das 24 Stunden pro Tag. Die Geschwindigkeit lag dabei bei 99% von der eines Menschen, auch die Fehlerrate hielt sich in Grenzen, wobei hier noch Verbesserungspotenziale vorliegen. Woher wissen wir das? Nun ja, für 10 Stunden trat ein menschliche Praktikant in den Wettbewerb ein und sortierte knapp 12.000 Pakete, um etwa 200 mehr als ein Figure Roboter im selben Zeitraum. Nach 10 Stunden war die Schicht – unterbrochen von Pausen für Kaffee, Mittagessen und zum Austreten – für den Praktikanten vorbei, während der Figure-Roboter einfach durch- und weitermachte. Und im Gegensatz um Praktikanten hatte er weder nach 10 noch nach 200 Stunden Blasen an den Fingern.

Was lernen wir aus diesem Livestream? Zuerst einmal, dass humanoide Roboter auf dem Weg sind, solche monotone Aufgaben zuverlässig übernehmen zu können. Zweitens, dass die Produktivität damit immens gesteigert werden kann und damit die Kosten sinken. Drittens, dass die Figure-Ingenieure herzlos sind. Nicht, weil sie die Roboter schuften ließen, sondern dass keiner von ihnen nach dem Ende der 200 Stunden die Roboter beglückwünschte, sondern sie einfach ohne weiterer Beachtung zur Ladestation laufen ließen. Ich hätte mir zumindest ein High Five zwischen Robotern und Ingenieuren gewünscht.

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