Nur selten hat man die Gelegenheit, Aug-in-Aug, oder eigentlich Aug-in-Helm, mit einem Roboter zu sein, und dabei doch von diesem noch aus anderer Perspektive beobachtet zu werden. Denn der in Linz beheimatete, einzige österreichische Hersteller von humanoiden Robotern hat in Workmate ein ungewöhnliches Detail integriert: eine Drohne, die aus dem Kopf starten und dort auch wieder landen kann, und die Sichtweite des Roboters erhöht.
Bei einem Treffen mit dem Gründer von IONO Robotics, dem gebürtigen Salzbugrer Ümit Bas, gingen wir über die technischen Details und die Einsatzzwecke von Workmate, dem ersten Humanoiden-Modell des Startups. Ümit ist Ingenieur, der u.a. an Transkriptionswerkzeugen, Smartwatches und digitalen Kaffeemaschinen gearbeitet hat und immer schon an der Kombination von Hardware und Software fasziniert war. So tüftelte er 2006 an einem Staubsaugerroboter, und wollte diesen Roboter die Umgebung kennen lernen lassen und ein World Model aufbauen lassen, doch dessen Umsetzung scheiterte noch an der mangelnden Rechenleistung.
Knapp zwanzig Jahre später waren die Voraussetzungen nun gegeben und, inspiriert von Boston Dynamics, stieß er vor drei Jahren auf humanoide Roboter. Im April 2025 gründete Ümit sein Unternehmen. Solo-Gründer ist er mehr aus Notwendigkeit, denn noch hat er keine geeigneten Mitgründer gefunden.
Workmate, so der Name des ersten Humanoidenmodells von IONO Robotics, ist etwa 175 Zentimeter groß, kann bis zu 30 Kilogramm tragen, verfügt über 20 Sensoren und kann sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 5 km/h bewegen. Mittels einer NVIDIA Jetson Orin Recheneinheit prozessiert er die Sensordaten. Die Software basiert auf ROS 2 und der proprietären Plattform IonoSphere, die speziell für Datensicherheit und EU-Compliance (DSGVO) entwickelt wurde. Und, wie bereits erwähnt, kann aus dem IonoHead eine Drohne starten und landen. Speziell ist auch die Kleidung, in die Sensoren integriert sind. Diese sogenannte IONO Skin verfügt über aktive Kühlung und Wärme.
Der Roboter kann sowohl als Bipedal – also auf zwei Beinen – betrieben werden, wie auch auf einer Ráderplattform. Das Unternehmen hat dazu eine eigene Plattform entwickelt, in die der Roboter steigen und einrasten kann und dann in der Fabrikhalle oder dem Büro die Gänge entlangfahren kann.
Aktuell stammen noch einige Komponenten aus China, Ziel ist es aber, die gesamte Wertschöpfungskette und die Produktion in Europa zu haben. Als nächste wichtige Stufe für IONO Robotics gilt das Ausfeilen der Software.
Die Einsatzgebiete des Industrieroboters Workmate sieht das Unternehmen in der Fertigung, Logistik und dem Dienstleistungsbereich. Das Team ist in Gesprächen mit sehr vielen Unternehmen, die Interesse am Humanoiden für ihre eigenen Anwendungsfälle bekundet haben, und noch im Sommer beginnen die ersten Einsätze im Industrieumfeld.
Vom Product Launch im Mai 2026 hat IONO Robotics auch einen Zusammenschnitt mit der Vorstellung des Humanoiden veröffentlicht.

