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Wenn Starbucks Cafés Startups ermöglichen

Kaffeehäuser erfüllen seit ihrem Bestehen mehr als nur die Aufgabe, Kaffee auszuschenken und Speisen anzubieten. Sie waren die Keimzellen von Ideen und Revolutionen, denn ein Service, den Kaffeehäuser ebenso anboten und manche heute noch anbieten, sind Sammlungen von aktuellen Tageszeitungen und sogar Enzyklopädien. So hatte das Wiener Café Griensteidl in Wien neben dutzenden Zeitungen auch einen Brockhaus und ein Meyersches Konversationslexikon aufliegen, wo Gäste rasch mal Details nachschlagen und damit Kontroversen beenden konnten.

Zeitungsauswahl im Café Sperl in Wien

Die traditionellen Kaffeehäuser sind heute allerdings mehr zu Plätzen verkommen, die von Touristen bevölkert werden, weil sie von den Schilderungen legendärer Versammlungen von Literaten und Revoluzzern angezogen werden. Damit sind Cafés wie das Café Central in Wien oder das Café de Flore und das Les Deux Magots in Paris heute zwar gute Plätze, um ein gutes Frühstück und köstliche Törtchen zu konsumieren, aber Touristen machen keine Revolution oder Literatur. Im besten Fall machen sie Instagram-Stories.

Eine Studie der Columbia Universität in New York ging einer anderen Frage nach, nämlich ob Cafés heute eine andere Funktion erfüllen, und ob sich das Ergebnis auch messen lässt. Die Frage war, ob sie die Gründung von Startups fördern würden.

Dazu zogen die Forscher öffentliche Daten heran, in denen sie die Zahl der Unternehmensgründungen in einzelnen US-Gemeinden vor und nach der Eröffnung eines Starbucks verglichen. Sie glichen dabei auch die Daten mit bereits vorhandenen und neu hinzugekommenen Cafés ab.

Das Ergebnis überrascht: Vierteln, in denen ein Starbucks-Café eröffnet hatte, sahen eine jährliche Zunahme von 5% bis 11,8% – oder 1,1 bis 3,5 Unternehmen – die in einem Zeitraum von sieben Jahren gegründet wurden, im Vergleich zu Vierteln, in denen die Eröffnung eines Starbucks-Cafés zwar angekündigt aber nicht verwirklicht worden war. Je größer der Starbucks flächenmäßig war, desto höher waren auch die Anzahl der Gründungen.

Typische Szene in einem Starbucks

Dort wo es bereits andere Cafés gegeben hatte, hatte die Eröffnung eines Starbucks keine Auswirkung auf die unternehmerische Aktivität im Viertel. Besonders signifikant war allerdings der Anstieg an Unternehmensgründungen in ärmeren Vierteln.

Cafés gelten als sogenannter „Dritter Platz“, also als Ort der Zusammenkunft außerhalb von Wohnungen oder Unternehmen. An solchen Plätzen können sich Menschen treffen, Netzwerke pflegen und sich austauschen. Wurden dort früher Ideen ausgetauscht und Revolutionen geplant, so werden dort heute Ideen ausgetauscht und Unternehmen gegründet.

Als Wiener und Kaffeehausliterat bin ich mit beidem einverstanden.

Bild geschaffen von Bernd Ertl
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