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Die Mütze, die Gedanken liest

Wer an Harry Potter denkt und sich immer einen sprechenden Hut gewünscht hat, der die Gedanken und Gefühle der neuen Schüler in der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei auslesen kann, dem wird nun geholfen. Das in Palo Alto beheimatete Startup Sabi kam aus dem Stealth-Modus und stellte eine Mütze vor, die Gedanken lesen kann.

Funktionieren soll das mittels einer Gehirn-Computer-Schnittstelle (Englisch: Brain-Computer-Interface oder kurz BCI). Bislang kennen wir Ansätze wie die von Elon Musks Neuralink, wo ein Loch in den Schädel gebohrt und dann ein Chip in der Größe einer KNopfbatterie eingepflanzt und mittels Drähten mit den Gehirnzellen verknüpft wird.

Sam Altman , Gründer und CEO von OpenAI, bekannt durch ChatGPT, interessiert sich ebenso für BCIs. So hat er in das Startup Merge Labs investiert, das mittels Ultraschall Gedanken auslesen will.

Und genauso non-invasiv, also ohne notwendige Operation wie bei Neuralink, soll das BCI von Sabi funktionieren. Die Technologie zum Lesen von Gedanken basiert auf der Elektroenzephalografie (EEG), bei der Metallplättchen auf der Kopfhaut angebracht werden, um die elektrische Aktivität des Gehirns aufzuzeichnen. Die Entschlüsselung gedanklicher Sprache anhand des EEG ist bereits möglich, beschränkt sich derzeit jedoch auf kleine Wortgruppen oder Befehle und nicht auf kontinuierliche, natürliche Sprache.

An der Innenseite der Mütze sind Sensoren angebracht, die die Hirnsignale nicht-invasiv erfassen.

Der Nachteil eines nicht-invasiven BCIs besteht darin, dass die Sensoren die Signale des Gehirns durch eine Schicht aus Haut und Knochen hindurch erfassen müssen. Dadurch werden die neuronalen Signale gedämpft. Chirurgisch implantierte Geräte empfangen wesentlich stärkere Signale, da sie sich so nah an den Neuronen befinden. Sabi will die Genauigkeit eines nicht-invasiven Geräts durch eine massive Erhöhung der Sensoranzahl verbessern. Die meisten EEG-Geräte verfügen über ein Dutzend bis einige Hundert Sensoren. Sabis Mütze wird zwischen 70.000 und 100.000 Miniatursensoren haben.

Mit dieser Mütze soll eine anfängliche Tippgeschwindigkeit von etwa 30 Wörtern pro Minute erreicht werden. Das ist zwar langsamer, als die meisten Menschen tippen, aber die Geschwindigkeit soll sich verbessern, je mehr Zeit die Nutzer mit der Mütze verbringen.

Damit die Gedanken überhaupt entziffert werden können, entwickelte Sabi ein groß angelegtes KI-Modell, das als „Brain Foundation Model“ bezeichnet wird. Dieses Modell wird anhand umfangreicher neuronaler Daten von vielen Menschen trainiert, um grundlegende Aktivitätsmuster zu erlernen, die mit der inneren Sprache korrelieren. Laut CEO Raul Chhabra hat das Unternehmen bislang 100.000 Stunden an Hirndaten von 100 Freiwilligen gesammelt. Die Daten werden durchgehend verschlüsselt, wenn sie das Gerät verlassen und in die Cloud hochgeladen werden.

Die Mütze soll Ende 2026 auf den Markt kommen.

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