Eine fast unglaubliche Geschichte hat sich in Australien abgespielt, die einen Blick auf das Potenzial zeigt, das Menschen mit KI erreichen und Gutes damit tun können. Der australische KI-Unternehmer Paul Steven Conyngham adoptierte 2019 die damals acht Jahre alte Mischlingsdame Rosie aus einem Tierheim. Doch das glückliche Zusammenleben wurde fünf Jahre später getrübt.
Bei ihr wurde lebensbedrohlicher Mastzellkrebs diagnostiziert. Da die herkömmliche Operation und Chemotherapie kaum Erfolg zeigten, beschloss Conyngham, fragte er ChatGPT, an wen er sich wenden könnte. Der Chatbot empfiehl ihm das Ramaciotti Centre for Genomics an der University of New South Wales (UNSW) anzufragen, ob sie Interesse daran hätten, einen experimentellen Ansatz zu verfolgen. Es sollte ein individuell auf Rosie zugeschnittener Impfstoff synthetisiert werden, mit genau demselben Ansatz, wie wir ihn von mRNA-Impfstoffen und COVID kennen.
Zuerst ließ Conyngham beim Ramaciotti Centre for Genomics an der UNSW für 3.000 australische Dollar die Sequenzierung von Rosies DNA durchführen. Mit dieser riesigen Menge an genetischen Daten modellierte Conyngham mithilfe von AlphaFold – einem von Google DeepMind entwickelten KI-Programm, das die 3D-Struktur von Proteinen vorhersagt – ein Protein namens c-KIT, das bei Hunden Mastzellkrebs auslöst. Anhand von Anomalien in diesem Tumorprotein identifizierte er ein Medikament, das möglicherweise gegen Rosies Krebs wirken könnte. Als die Pressemitteilung im vergangenen Sommer veröffentlicht wurde, war er noch dabei, sich dieses Medikament zu beschaffen.
Gemeinsam mit der UNSW wurde dann ein maßgeschneiderter mRNA-Impfstoff entwickelt, der aus Rosies Tumor hergestellt wurde. Nach einigen Schwierigkeiten einen Tierarzt zu finden, der diese Impfung Rosie verabreichen würde, klappte es dann im Dezember 2025.
Bislang scheint der Impfstoff zu wirken, denn ein „tennisballgroßer Tumor“ an Rosies Hinterbein ist um die Hälfte geschrumpft. Auch wenn Rosie nicht ganz geheilt wurde, so geht es ihr sichtbar besser. Aktuell arbeiten Conyngham und die Forscher UNSW an einer weiteren Impfung, da noch ein zweiter Tumor aufgetreten ist, der auf den ersten Impfstoff nicht so gut angesprochen hat.
Das bemerkenswerte dabei ist, dass Conyngham keinerlei biologische oder medzzinische Ausbildung hat. Und trotzdem konnte mit Hilfe von AlphaFold und ChatGPT und der Zusammenarbeit mit der University of NEW South Wales einen individualisierten Impfstoff herstellen. Vorerst für seinen Hund, aber das Potenzial, ebensolche individualisierten Medikamente und Impfstoffe für Menschen herzustellen, ist erkennbar.
Als das größte Hindernis stellte sich die Regulatorik heraus. Während die Entwicklung des Impfstoffes in einem sehr kurzen Zeitraum möglich war, dauern klinische Tests nicht Monate, sondern Jahre. Auch die Zulassung des Medikaments und die Vorbereitung der Ärzte, diesen zu verabreichen und zu verschreiben, nimmt viel Zeit in Anspruch.
Quelle: Cancer Health
