Die Entschuldigung des zurückgetretenen ÖBAG-Vorstand Thomas Schmid in der Analyse

Nur wenige Tage nach einer prominenten Entschuldigung – also eigentlich Nicht-Entschuldigung – durch den ehemaligen Spitzenbeamten Christian Pilnacek, sah sich ein weiterer, wegen öffentlich gewordener Chat-Protokolle in die Kritik geratener Staatsdiener gezwungen, zurückzutreten und sich zu entschuldigen. Es handelt sich dabei um Thomas Schmid den nun ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG), die die Beteiligungen der Republik Österreich an einigen börsennotierten Unternehmen verwaltet.

Im Zuge der veröffentlichten Chat-Protokolle, die unter anderem auch Konversationen Schmids mit Bundeskanzler Sebastian Kurz, sowie verächtliche Meinungen Schmids über andere Personen, Institutionen und die Bevölkerung beinhalteten, war er als Vorstand untragbar geworden.

Die Entschuldigung, deren Gesamttext an die Austria Press Agency APA übermittel wurde, aber nur auszugsweise bekannt ist, wollen wir uns nun ansehen. Zur Erinnerung: wir erwarten bei einer öffentlichen Entschuldigung folgende Elemente:

  1. Offenbarung
  2. Erkennung
  3. Reaktionsfähigkeit
  4. Verantwortung
  5. Gewissensbisse
  6. Rückerstattung
  7. Reform

Wir kennen leider nur ein paar Sätze, die u.a. Vienna.at oder der ORF zitierte. Hier ist gleich der erste zitierte Satz:

„Ich habe mich in diesen privaten Chats in einer Art über Menschen, Organisationen und politische Entwicklungen geäußert, die ich heute bereue.“

An diesem Satz ist nichts auszusetzen. Es sind die Erkennung der Schuld und Gewissensbisse zu sehen. Noch aber reicht er nicht für eine gesamte Entschuldigung, und es kommen ja noch Sätze nach. Wie dieser hier:

„Heute sehe ich klar, dass das falsch und zynisch war. Es tut mir außerordentlich leid, wenn ich damit jemanden verletzt oder verstört habe“

Im meinem Buch Sorry Not Sorry findet sich das unter dem 17. Kunstgriff: Die Leute sind einfach zu sensibel. Was er hier macht, ist eine von Jörg Haider als „Meinetwegen entschuldige ich mich halt“ berühmt geworden. In anderen Worten „Ich entschuldige mich, sofern sich jemand beleidigt fühlt„. Wenn sich nun niemand verletzt oder verstört fühlt, dann gibt es auch nicht wirklich etwas zu entschuldigen.

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Besonders bedauere er, dass die öffentliche Diskussion um seine Chats dazu geführt habe, dass die Leistungen „des kleinen, sehr engagierten und professionell arbeitenden ÖBAG-Teams“ nicht ausreichend gewürdigt würden.

Das eigentlich Opfer sind nicht die Beleidigten, wie beispielsweise das österreichischen Volk, das er schon mal als „Pöbel“ bezeichnet hatte, sondern sein ehemaliges Team und dessen Arbeit, und damit ja eigentlich er. Das ist der 13. Kunstgriff: Es ist passiert, aber ich bin das eigentliche Opfer. So wie schon die ehemalige Ministerin Christine Aschbacher ihren Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre als Ergebnis der Drohungen gegen ihre Familie sah, und sich damit zum eighttps://globalmelange.com/2021/01/10/ein-ruecktritt-und-eine-nicht-entschuldigung-die-plagiatsaffaere-christine-aschbacher/entlichen Opfer machte.

Schmids Entschuldigung hat hier impliziert auch noch das Element dabei, dass es Wichtigeres gäbe, als die Chat-Protokolle: nämlich die nicht ausreichend gewürdigte Leistung seines Teams, und damit seine Leistung. Dass er, wie in den vergangenen Wochen herauskam, scheinbar gar nicht der qualifizierteste oder gar nicht qualifizierte Kandidat für den mit üppigem Gehalt bezahlten Vorstandsposten der ÖBAG war, tut da ihm zufolge nichts zur Sache.

Das ist übrigens der 26. Kunstgriff: Es ist passiert, aber es gibt Wichtigeres.

Im letzten Satz, der uns bekannt ist geht er dann nochmals auf die Gründe ein, ohne allerdings das Wesentliche zu erwähnen:

weil „die öffentliche Diskussion rund um private Nachrichten eine sinnvolle und konstruktive Tätigkeit als Vorstand der Österreichischen Beteiligungs AG nicht mehr möglich“ machten.

Das Wesentliche ist natürlich der abstoßende und verächtliche Inhalt. Schmid aber lenkt den Fokus auf etwas anderes, wie auch schon Pilnacek: die Natur der Nachrichten seien privater Natur und damit sei ruhiges Arbeiten nicht mehr möglich gewesen. Zuerst mal: Chats mit dem Bundeskanzler um Postenvergaben und die darauf folgenden Schleimereien, oder die Organisation von dienstlichen Reisebuchungen in denen man mit dem „Pöbel“ nicht in derselben Klasse im Flieger sitzen möchte, sind, wie jeder Berufstätige mit Firmen-E-Mail weiß, nicht privater Natur. Sie sind geschäftlicher Natur und wenn, wie im Staatsdienst, ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit besteht, kann sich nicht auf die private Natur der Nachrichten berufen.

Das ist im Buch der 24. Kunstgriff: Es ist passiert, aber es war nicht für anderen Ohren und Augen gedacht.

Conclusio

Wie schon bei der Erklärung von Pilnacik vor ein paar Tagen, stellen die bekannt gewordenen Sätze keine Entschuldigung dar. Zwar wurden einige Elemente wie eben auch sein Rücktritt erfüllt, aber zu viele Kunstgriffe zeigen, dass es sich nicht um eine ehrlich gemeinte Entschuldigung handelt.

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