Ein Schulkollege sandte mir 2008 mehrmals Einladung zu einer recht neuen Plattform, auf der man sich mit Freunden vernetzen und austauschen konnte. Ich hatte zwar schon gehört von Friendster und MySpace, aber Facebook war etwas Neues. So registrierte ich mich dort und hatte zuerst Mal Schwierigkeiten zu verstehen, worum es hier eigentlich ging und etwas der Wert auf diesem sozialen Netzwerk war. Bis ich eines Tages in meiner Heimatstadt auf Besuch war und eine befreundete Kabarettistin postete, dass sie für ihre heutige Vorstellung noch proben würde. Ich hatte nichts vor und ging spontan zu ihrer Vorstellung. Damit hatte ich den Wert verstanden und er sollte über die Jahre nur steigen.
Über 1.700 Freunde sammelten sich in meinem Netzwerk an, ich beteiligte mich an und verwaltete mehrere Facebook-Gruppen und postete selbst recht fleißig. Oftmals Links zu meinen eigenen Blogbeiträgen, manchmal Links zu Nachrichten und gelegentlich auch bemühte ich mich etwas Lustiges beizutragen. Bis, ja bis ich merken musste, dass ich immer weniger Posts meiner Freunde und immer mehr Werbungen oder Vorschläge fand, dieser und jener Gruppe zu folgen. Nur mehr Beiträge von etwa ein bis zwei Dutzend Freunden schienen regelmäßig in der Timeline aufzutauchen, dafür aber immer mehr uninteressanter Quatsch. Mein Versuch, diese Werbungen durch Browser-Plugins zu zähmen oder gar zum Verschwinden zu bringen oder durch Facebooks eigene Feedback-Mechanismen zu unterdrücken fruchteten nichts.
Bis, ja bis es mir zu viel geworden war. Ich beschloss auch dieses soziale Netzwerk zu verlassen. Es war nicht das erste. Schon ein Jahr zuvor löschte ich mein Instagram-Konto, und ein paar Monate später das auf Twitter, nun bekannt als X, auf dem ich auch seit November 2008 über 5.000 Followers angesammelt hatte. Während spätestens seit den Turbulenzen um die erste Präsidentschaft von Donald Trump und dem Einfluss, den viral gegangene Fake News auf Facebook gehabt hatten und Facebook in Folge zu unterdrücken versuchte und nur mehr zahme Beiträge in die Timeline spülte und Artikel von Tageszeitungen fast völlig verschwanden – siehe dazu mehr hier in diesem Beitrag von CNBC – ging Twitter/X den ähnlichen und teilweise umgekehrten Weg. Dort wurden immer mehr Verschwörungstheoretikerwebsiten algorithmisch gepusht und vor allem traten so viele Bots und Fake Accounts auf, dass Diskussionen unmöglich wurden. Hinzu kamen die zahlreichen Hasspostings und Kommentare, die Twitter/X zu einer Schlangengrube machten. Es half dabei nicht, dass der neue Besitzer von Twitter/X, Elon Musk, selbst noch dazu beitrug.
Als dann Meta-CEO Mark Zuckerberg auch noch das Moderationsteam auf Facebook auflöste, und damit den Diskussionen auf Facebook ein Abstieg wie bei Twitter/X drohte, fiel mir die Entscheidung leicht. Nach Instagram (auch eine Meta-Plattform), Twitter verabschiedete ich mich von Facebook. Und das nicht nur wegen der genannten Gründe. Speziell Twitter/X und Facebook erwiesen sich für meine Arbeit als immer weniger wertvoll. Ich bin selbständiger Technologietrendforscher und Autor und ich nutze soziale Medien um eine rasche Übersicht zu Themen durch meine Netzwerke zu erhalten, aber auch meine eigenen Beiträge zu verlinken und promoten. Doch die Statistiken sprachen eine immer deutlichere Sprache. Während ich von LinkedIn mit 16.000+ Followern und Kontakten durchschnittlich Zugriffe in drei- bis vierstelliger Zahl auf meine Webseiten verzeichnete, lagen sie von Twitter/X und Facebook oft nur im einstelligen Bereich. Die Mühe, sich dort zu engagieren war einfach nicht gegeben.
Da mir bislang weder Instagram noch Twitter/X abgegangen sind, bin ich mir sicher, dass mir auch Facebook nicht fehlen wird. Die wichtigsten Kontakte sind aus ähnlichen Gründen auf LinkedIn und beispielsweise auf das Twitter-ähnliche aber zivilisiertere Bluesky gezogen. Danke Facebook und Twitter/X, es hat Spaß gemacht und war interessant, bis es das für mich nicht mehr war.
So long, and thanks for all the fish!
