Die neue amerikanische KI-Behörde im Vergleich zur europäischen digitalen Strategie

Die Vereinigten Staaten haben seit ihrer Gründung eine interessante Herangehensweise an neue Technologie und Herausforderungen: wann immer diese eine gewisse kritische Masse erreichen, gründen die Amerikaner eine Agentur oder Behörde, die sich ausschließlich damit befassen soll, sowohl was die Regulierung, Impaktanalyse, aber auch die Bedürfnisse und Anforderungen der amerikanischen Regierung und damit der Steuerzahler betrifft.

So wurde schon 1970, als eine der ersten weltweit, die Umweltschutzbehörde EPA gegründet, nachdem bereits in den 1950er Jahren die ersten Bedenken zu den Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt hochkamen. Die entsprechende deutsche Behörde, im Vergleich dazu, wurde erst 1986 ins Leben gerufen. Zu den knapp zwei Dutzend Ministerien kommen noch an die vier dutzend behördenähnliche Einrichtungen und hunderte kleinere Agenturen hinzu. Während die Behörden in anderen Ländern oft starken Änderungen unterliegen und miit anderen zusammengelegt oder wieder herausgelöst werden – wie beispielsweise die Geschichte des österreichischen Umweltministeriums zeigt – so zeigen sie in den USA hohe Resistenz. Einmal eingerichtet, bleiben sie ihren Aufgaben verpflichtet und sorgen für Kontinuität. Nicht immer ist das von Vorteil, weil man bei der Gesundheitsbehörde CDC während der Pandemie erkennen musste, die die eine Aufgabe, für die sie geschaffen worden war – Seuchenbekämpfung – in den USA kläglich versagte. Oder die Agentur Alkohol, Tabak, Waffen und Explosivstoffe (Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives), die seit Jahren durch den US-Kongress und die Lobbyarbeit der Industrien in ihrer Wirkungsweise und Aufgabenbereich beschränkt wird.

Amerikanische KI-Behörde

Seit Januar 2021 verfügen die USA über eine neue Agentur, die sich ausschließlich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen wird. Die National Artificial Intelligence Initiative wurde durch einen Beschluss des US-Kongress 2020 ins Leben gerufen und hat die Aufgabe, die amerikanische KI-Strategie umzusetzen. Wie schon China sehen die USA KI als für das Land bedeutende Technologie an, bei der sich der Staat einbringen muss, um den Wohlstand zukünftiger Generationen zu garantieren.

Dabei unterscheidet sich die Herangehensweise von Deutschland, wo es ebenfalls Grundzüge einer ersten KI-Strategie gibt, gewaltig. So lautet beispielsweise das Mission Statement der NAII, welches

ein koordiniertes Programm über die gesamte Bundesregierung hinweg vorsieht, um die KI-Forschung und -Anwendung für den wirtschaftlichen Wohlstand und die nationale Sicherheit der Nation zu beschleunigen. Die Mission der Nationalen KI-Initiative ist es, die kontinuierliche Führungsrolle der USA in der KI-Forschung und -Entwicklung sicherzustellen, die Welt bei der Entwicklung und Nutzung vertrauenswürdiger KI im öffentlichen und privaten Sektor anzuführen und die gegenwärtigen und zukünftigen US-Arbeitskräfte auf die Integration von KI-Systemen in allen Bereichen der Wirtschaft und Gesellschaft vorzubereiten.

Als strategische Säulen der KI-Behörde werden Innovation, vertrauenswürdige KI, Aus- und Weiterbildung, Infrastruktur, Anwendungen und internationale Zusammenarbeit definiert.

Digitale Strategie der EU

Vergleicht man diese Ansprüche und Ziele mit denjenigen, die die EU als Entwurf vorgelegt hat, dann unterscheiden sich diese im ersten Moment kaum. Gemäß der europäischen digitalen Strategie soll KI in der EU einen Platz finden, um sich zu entwickeln und für Menschen und das Wirtschaftstreiben

Doch bereits die ersten konkreten Vorschläge der EU Kommission zeigen ein deutlich anderes Bild. Als erster ausgearbeiteter Vorschlag wird nur auf das Vertrauen in KI, sowie die Sicherheit und Risiken der Technologie eingegangen. Der europäische Vorschlag für einen rechtlichen Rahmen zeigt dies deutlich:

Die Kommission will den Risiken, die durch spezifische Anwendungen von KI entstehen, durch eine Reihe ergänzender, verhältnismäßiger und flexibler Vorschriften begegnen. Diese Regeln werden Europa auch eine führende Rolle bei der Festlegung des globalen Goldstandards verschaffen. Dieser Rahmen gibt KI-Entwicklern, -Einsatzkräften und -Nutzern die nötige Klarheit, indem er nur in den Fällen eingreift, die von den bestehenden nationalen und EU-Rechtsvorschriften nicht abgedeckt werden. Der Rechtsrahmen für KI schlägt einen klaren, leicht verständlichen Ansatz vor, der auf vier verschiedenen Risikostufen basiert: unannehmbares Risiko, hohes Risiko, begrenztes Risiko und minimales Risiko.

Mit keinem einzigen Wort wird auf die Chancen und Möglichkeiten hingewiesen und der gesetzliche Rahmen so definiert.

Während die USA die Entwicklung und Anwendung von KI mit allen Mitteln zum Wohle der Menschen und Wirtschaft ermöglichen und befähigen und dabei die führende Rolle behalten wollen, will die EU KI zuerst mal zügeln und dabei den „globalen Goldstandard“ der KI-Regulierung setzen. Eine weitere wesentliche Komponente der amerikanischen KI-Initiative ist auch die Beteiligung mehrerer Bunudesbehörden und -agenturen daran. KI wird explizit als Technologie betrachtet, die in diesen bundesstaatlichen Organen zum Einsatz kommen soll. Damit wird auch ganz klar das Signal gegeben, dass jede Behörde, jede Agentur über den Einsatz von KI im eigenen Umfeld nachdenken soll. Die EU selbst verschwendet darauf in der eigenen digitalen Strategie kein Wort.

Zwei Geschwindigkeiten

Somit lassen sich mehrere fundamentale Differenzen zwischen dem US amerikanischen und dem europäischen Ansatz erkennen, die in völlig unterschiedliche Dynamiken resultieren werden: während die USA nochmals an Geschwindigkeit zulegen, werden die europäischen Länder weitere Hindernisse einbauen.

USAEuropa
Chancenwahrung und -ermöglichungRisikovermeidung und Gefahrenminimierung
Eigene BehördeEine Komponente der digitalen Strategie
Technologie zum Einsatz bei staatlichen OrganenZu regulierende Technologie

Kommentar verfassen