Vor einigen Jahren ging eine Meldung um die Welt, dass Bügeleisen aus China sich in WLANs einloggten und Schadsoftware auf PCs im selben Netzwerk hochladen würden. Neben Bügeleisen wurden auch noch Wasserkocher und Webcams identifiziert, die selbiges taten. Für viele Leser war mindestens ebenso erstaunlich, dass Bügeleisen (oder Wasserkocher) mit Microchips ausgestattet waren. Waren das nicht einfach nur recht unintelligente Haushaltsgeräte, die irgendetwas aufwärmen oder erhitzen sollten?
Die Realität ist, dass heutzutage fast jedes Haushaltsgerät über Computerchips verfügt. Vom Kühlschrank zur Waschmaschine, vom Haartrockner bis zur elektrischen Zahnbürste laufen in diesen Geräten kleine Prozessoren, die für den sicheren Ablauf des Waschprogramms oder der Zahnpflege sorgen. Vor einem Jahrzehnte hatte diese Tatsache noch Verwunderung hervorgerufen, auch wenn das schon längst üblich war.
Die eingebauten Chips sind mittlerweile auch so mächtig, dass russische Soldaten in der Ukraine mit Wagenladungen voll mit geplünderten Waschmaschinen angetroffen wurden, die vor allem wegen ihrer eingebauten Chips attraktiv waren. An denen mangelte es der russischen Rüstungsindustrie dank der durch westliche Wirtschaftssanktionen abgekappten Versorgung von Mikrochips.
Genauso üblich wird es in wenigen Jahren sein, dass dieselben Haushaltsgeräte nicht nur über solche Mikrochips, sondern über KI-Chips (GPUs) mit einer darauf laufenden künstlichen Intelligenz verfügen werden. Doch warum?
Es wird selbstverständlich werden, mit Haushaltsgeräten zu sprechen. So wie heute bereits Sprachassistenten auf dem Smartphone oder im Auto Auskunft geben können, werden wir in Zukunft mit der Waschmaschine sprechen, um sie zu bedienen. Dieselbe KI wird nicht nur mit uns sprechen, sondern dank eingebauter Sensoren auch die Wäschestücke erkennen und entsprechende Waschzyklen aussuchen können. Das Bügeleisen wird damit die Materialien erkennen und die Stellen, wo sich die stärksten Falten befinden und das Bügelprogramm entsprechend anpassen.
Menschen werden nicht die einzigen sein, mit denen die Haushaltsgeräte kommunizieren. Sie werden untereinander wie auch mit unseren zweibeinigen und zweihändigen Haushaltshilfen Informationen austauschen. Roboterhelfer werden von der Waschmaschine verständigt, wann sie fertig ist und das Bügeleisen kann sich bereits auf das Bügeln vorbereiten.
Das ist in Teilen keine Zukunftsmusik mehr, denn Humane, ein Startup aus dem Silicon Valley, das den AI Pin auf den Markt gebracht hat, stellte nun ein Betriebssystem für genau solche Anwendungszwecke vor.
Im Video ist CosmOS, so der Name des KI-basierten Betriebssystems von Humane, zu sehen, das in unterschiedliche Geräte eingebaut ist und wie ein Anwender es in einem übergreifenden Kontext verwendet. So sieht man ein Fußballspiel im Fernseher laufen, und als einer der Spieler ein Tor schießt, fragt der Zuseher den Fernseher, wie viele Tore den dieser Spieler in der Saison bereits geschossen hat. Die KI erkennt aus dem Zusammenhang des laufenden Spiels, welcher Spieler gemeint ist und gibt eine Antwort.
Auch wenn nun mancheine/r sagen wird, dass so etwas nicht gebraucht werden und ihm/ihr niemals in Haus kommen würde, so verweisen wir einfach nur auf eine ganze Reihe anderer Fortschritte, die man damals „nicht gebraucht hat“. Das Bügeleisen, in das heiße Eisen eingelegt worden waren, waren doch wohl gut genug zum Bügeln. Elektrische Bügeleisen brauchte man somit doch auch nicht, oder?
Eines aber ist klar: es wird wieder solche Aufreger geben, wie 2013 mit den Schadsoftware-Bügeleisen. Ich warte nur auf die Geschichten von Bügeleisen-KIs, die petzen, ob jemand damit eben erst ein Hemd oder eine Bluse gebügelt hat, die eigentlich nicht Teil des gemeinsamen Haushalts ist. Das Popcorn können wir uns schon mal zurechtlegen.

Ein Gedanke zu “Wird dein Bügeleisen intelligenter als du?”