Sorry not Sorry: Die Kunst, wie man sich nicht entschuldigt

Sorry Not Sorry: Laschet lacht, Kameltreiber, Juventus

Mein Buch Sorry Not Sorry: Die Kunst, wie man sich nicht entschuldigt ist seit heute im Buchhandel, und um dein Interesse zu erwecken, will ich dir anhand von drei aktuellen Beispielen die Struktur von Nicht-Entschuldigungen aufzeigen.

Beispiel 1: #Laschetlacht

Armin Laschet, CDU-Politiker und Kanzlerkandidat bei der nächsten Bundestagswahl, kam in die Kritik, als er nach den schweren Unwettern in Norddeutschland während eines TV-Interviews des deutschen Bundespräsidenten, in dem dieser seine Sorge um die Opfer der Katastrophe ausdrückte, im Hintergrund mit seinem Mitarbeiterstab feixend und vergnügt zu sehen war. Unter dem Hashtag #laschetlacht empörten sich die Deutschen über den fehlende Anstand des Kanzlerkandidaten.

Die Situation geriet dermaßen außer Kontrolle, dass sich Laschet am nächsten von einer Entschuldigung zur nächsten hanteln musste. T-Online zitierte ihn dabei mit

er bedauere „den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden sei“.

und ebenso

„Ich war den ganzen Tag unterwegs, es gab emotionale Begegnungen, die mich auch wirklich erschüttert haben. Und deshalb ärgere ich mich umso mehr über diese wenigen Sekunden“, bedauert Laschet seinen Auftritt am Sonntagabend im WDR

Sorry Not Sorry zeigt, dass die Wortwahl der Entschuldigung sie zu einer Nicht-Entschuldigung macht. Laschet wendet die folgende Kunstgriffe an:

  • 17. Kunstgriff: Die Leute sind einfach zu sensibel (…manche erhielten „den Eindruck“…)
  • 6. Kunstgriff: Es ist passiert, aber aus gutem Grund (...war den ganzen Tag unterwegs … emotionale Begegnungen…)
  • 13. Kunstgriff: Es ist passiert, aber ich bin das eigentliche Opfer (…ich ärgere mich umso mehr…)

Beispiel 2: Kameltreiber

Bei Tokyo 2020, der wegen COVID erst dieses Jahr stattgefundenen Sommerolympiade, wurde der Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer, Patrick Moster, ertappt, als er den Radsportler Niklas Arndt die Worte „Hol die Kameltreiber!“ zweimal hinterher rief. Mit „Kameltreiber“ hatte Moster die vor Arndt liegenden nordafrikanischen Mitbewerber gemeint. Diese rassistische Entgleisung führte kurz darauf zu einer „Entschuldigung“ von Moster, wie die Zeit berichtet:

Im Eifer des Gefechts „und mit der Gesamtbelastung, die wir momentan hier haben“, habe er sich in der Wortwahl vergriffen.

Moster sagte der dpa im Anschluss:

„Wir haben selbst viele Bekannte mit nordafrikanischen Wurzeln, wie gesagt, es tut mir leid.“

Auch hier zeigt Sorry Not Sorry wieder, dass die Wortwahl der Entschuldigung sie zu einer Nicht-Entschuldigung macht. Moster wendet die folgende Kunstgriffe an:

  • 6. Kunstgriff: Es ist passiert, aber aus gutem Grund (...im Eifer des Gefechts…)
  • 14. Kunstgriff: Kann gar nicht sein, weil ich auch so bin oder nicht bin (…wir haben selbst viele Bekannte mit nordafrikanischen Wurzeln…)

Beispiel 3: Juventus

Das Frauenteam von Juventus Turin wiederum fiel mit einem Tweet auf, bei dem eine der Spielerinnen einen Chinahut trug und mit Zeigefingern ihre Augen zu „Mandelaugen“verzog. Solche Darstellung von „Schlitzaugen“ wird von Asiaten (zurecht) als rassistisch und diskriminierend gesehen, und die Empörung war nicht unerwartet und groß. Kurze Zeit später wurde das Bild vom Teamkonto entfernt und folgende „Entschuldigung“ nachgereicht:

„Wir entschuldigen uns aufrichtig dafür, dass unser Tweet, der keine Kontroverse auslösen oder einen rassistischen Unterton haben sollte, jemanden beleidigt haben könnte. Juventus hat sich immer gegen Rassismus und Diskriminierung ausgesprochen.“

Die berechtigte Frage, die sich stellt, ist, welchen Zweck, wenn er schon keine Kontroverse auslösen hatte sollen, das Posting denn sonst gehabt hatte? Wie auch immer, Sorry Not Sorry sieht hier wieder mal den folgenden Kunstgriff in Aktion:

  • 17. Kunstgriff: Die Leute sind einfach zu sensibel (…jemanden beleidigt haben könnte…)

Wie diese Kunstgriffe genau wirken, und wieso wir uns diese Entschuldigungen genauer ansehen sollten, zeige ich anhand von vielen Beispielen im Buch.

Zum Abschluss noch das Inhaltsverzeichnis:

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