Frauenfeindlichkeit von VCs und Techbros anhand von 2 Beispielen

Der Zusammenbruch der Kryptobörse FTX dominierte die letzen Wochen die Schlazgzeilen, zumindest in der Tech- und Startup-Welt. Auch die Ereignisse um Twitter herum kamen einem kleinen Erdbeben in der Szene gleich. Was sie alle gemeinsam hatten waren die Art der Protagonisten und die, wie von ihnen vorgegangen wurde. Es handelte sich vor allem um Männer, oder – wie wir oft auf sie verweisen – die „Techbros“ (salopp übersetzt mit „Technologiebrüder“), die ohne Scheu vollstes Risiko ein- und mit Brachialgewalt vorgingen.

Sei es wie ein Großteil der Mitarbeiter einer Firma entlassen oder wie mit den Geldern von Investoren und Kunden umgegangen wurde, es war brutal und menschenfeindlich. Und das von Männern, die sich ihrer Sache sicher sind und andere Menschen nur als Wegwerfartikel betrachten. Erstaunlich dabei sind die Reaktionen in der größeren Techbro-Szene, die es schaffen, rein männliches Versagen irgendwie immer Frauen anzuhängen.

Misogyne VCs – Beispiel 1

Solch eine Frauenfeindlichkeit drückte der in Paris tätige Venture Capitalist Michael Jackson (ja, kein Druckfehler, der heißt wirklich so) in einem scheinbar lustig gemeinten Post aus. Mir selbst will nicht einfallen, was daran genau lustig sein soll, aber der humorige Michael Jackson zitierte den Tweet eines anderen, in San Francisco lebenden und ebenso humorigen VC namens Delian Asparouhov, in dem der Untergang der Kryptobörse FTX durch den Betrug seines Gründers Sam Bankman-Fried (oft nur SBF genannt) mit einem Foto bebildert wurde, auf dem SBF zwischen zwei Frauen auf der Bühne einer Veranstaltung sitzt, und mit dem folgenden Satz kommentiert wurde:

Wenn Sie ein Ingenieur sind und Supermodels finden cool was Sie tun, verkaufen Sie sofort alle Ihre Aktien.

Man beachte: hier haben ganz eindeutig Techbros eine digitale Plattform errichtet, haben Leuten eingeredet, damit lasse sich Geld aus Nichts machen, haben hunderte Millionen an VC-Geldern einkassiert, Milliarden an Kundengeldern eingesammelt und dann das Geld in Luxusressorts, an teurem Essen, Drogen und Autos verschleudert. Die Techbros und VCs aus der Szene sind alle darauf geflogen, haben Geld reingesteckt und kamen sich schlau vor. Und dann brach dieses Pyramidenspiel zusammen und alles Geld war weg.

Was VCs wie Michael Jackson und Delian Asparouhov dazu aber zuerst einfällt ist, dass Frauen dumm sind. Sie nennen in ihren Posts mit keinem Wort den wahren Schuldigen dieses Betrugs. Stattdessen kommentieren sie zu den Frauen aus wahllos ausgewählten Aufnahmen mit SBF. Kommentare, die sie wegen ihrer frauenfeindlichen Posting tadelten, löschten sie und blockierte die Verfasser wie mich und andere.

Das hat übrigens System, denn auch das Wall Street Journal eierte ziemlich um die wahren Hintergründe und Konsequenzen des FTX-Kollaps herum. Die Überschrift am Titelblatt vom 25. November 2022 lautete:

FTX-Zusammebruch hat philanthropische Ziele des Gründers zunichte gemacht

Uhhhmm, wie bitte? Der FTX-Gründer wird nun bedauert, weil er seine wohltätigen Ziele mit dem Geld seiner Investoren und Kunden nicht mehr weiter verfolgen kann? Ein Leser der WSJ zeigte, wie die Überschrift wirklich lauten sollte, um den wahren Sachverhalt darzustellen:

FTX-Betrug vernichtete Kundengelder

Das Wall Street Journal, wie auch andere Medien, darunter unter anderem die New York Times, fassten SBF und seine Mitstreiter mit Samthandschuhen an. Das aber ist eine andere Geschichte. Kommen wir zum nächsten Beispiel.

Misogyner Techbro – Beispiel 2

Ein anderer Fall von frauenfeindlichem Kommentar folgte auf einen Post des Kölner Cybersecurity-Experten Jean Pereira, der sich ehrenamtlich (wie er sagt) Sicherheitslücken bei Firmen ansieht. Die Lücken, die er dabei findet, versucht er dann an die entsprechenden Unternehmensabteilungen zu melden. Oft nur mit sehr geringem oder gar keinem Erfolg, wie er darlegt. Dabei erwähnt er unter anderem auch Stadtverwaltungen, die besonders oft Sicherheitslücken aufweisen und fast nie auf seine Anfragen reagieren würden. Er nennt dabei neben Köln auch explizit München, deren Systeme offen wie Scheunentore seien.

Dem Post folgt eine Reihe von Kommentaren anderer Benutzer, die versuchen Hinweise zu geben, wie man die Organisationen zu Reaktionen bewegen könnte. Doch lange brauchte es nicht und ein Techbro wie Felix Dziekan, seines Zeichens Freelance Softwareentwickler aus Nürnberg, fand zielsicher den frauenfeindlichen Blickwinkel:

IT-Sicherheit hat heutzutage scheinbar eine kleine Priorität. Ich habe heute gelesen, dass die Stadt München zwischen 1,5 und 4 Millionen Euro ausgeben möchte, um die IT Gendergerecht zu machen.

Wie er die Kurve von IT-Sicherheit auf Gendergerechte IT kratzt, ist mir nicht ganz ersichtlich. Doch vielleicht liegt die Wurzel des Übels an den Sicherheitslücken darin, dass Frauen bislang zu wenig Berücksichtigung in den IT-Abteilungen der Stadtverwaltungen gefunden haben. Frauen sind nämlich viel häufiger Bedrohungen in der physischen und der Online-Welt ausgesetzt als Männer. Immerhin haben digitale Plattformen Bedrohungen wie beispielsweise Stalking erleichtert. Männern widerfährt das in viel geringerem Ausmaß.

Gendergerechte IT würde es erzwingen, die Perspektive von Frauen (und Trans- bzw. Nichtbinären Personen) viel stärker zu berücksichtigen. Personendaten auf Servern der Stadtverwaltung ungesichert zu speichern und Cyberattacken auszusetzen würden damit eine ganz andere Dringlichkeit erwirken, wenn gendergerechte IT-Prinzipien zum Einsatz kommen.

Als Mann kann ich leicht sagen, „Pfuuh, was kann jemand mit meiner gestohlenen Adresse schon an Schaden anrichten?“ Doch das klingt rasch ganz anders, wenn es sich um die Adresse der eigenen Frau oder Tochter handelt. Gendergerechte IT ist somit ureigen sicherheitsrelevante IT.

Fazit

Das Thema „Frauenfeindliche Techbros“ ist nicht etwas, was nur in der weiten Ferne des Silicon Valley liegt und beispielsweise im Buch Brotopia schön aufgeschlüsselt wird, nein, es gibt sie auch bei uns. In Paris, in Nürnberg und vermutlich nicht unweit von jedem Einzelnen von uns. Und wir dürfen das nicht mehr länger tolerieren.

Diese unverhohlen vorgebrachte Frauenfeindlichkeit führt dazu, dass die Stimmen von Frauen im öffentlichen Diskurs, in der Politik und in der Wirtschaft unterrepräsentiert sind. Toxische Männer, wie die genannten, schaffen eine Kultur, die Gewalt gegen Frauen fördert und indirekt damit auch gegen alle anderen. Wenn wir nicht dagegen vorgehen und das Übel an der Wurzel packen, werden wir früher oder später auch davon betroffen sein. Wir müssen diese toxischen Männer mit der Nase draufstoßen und sie konfrontieren.

Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben, das sich mit Online-Gewalt und eben solchen misgynen Kommentaren wie den erwähnten auseinandersetzt, die Ursachen und Auswirkungen erklärt, und wie wir dagegen vorgehen können. Hier ist es:

CYBERF*CKED

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