Ein humanoider Roboter ohne funktionsfähige Hände ist nichts anderes als ein teurer Kleiderständer. Nach dem Fokus auf die Elektromechanik und Physik des Roboter selbst, damit dieser sich stabil bewegen kann, sowie die fortwährende Entwicklung des KI-gestützten Gehirns, die den Roboter autonom die Umgebung erkennen und darin navigieren und Aufgaben erledigen kann, kommen immer mehr die Hände selbst in den Fokus. Denn diese dienen dazu, dass ein Humanoider Objekte manipulieren und Aufgaben ausführen kann.
Auf der CES 2026 in Las Vegas im Jänner 2026 konnte ich mindestens 20 Modelle von Roboterhänden bewundern, die mindestens ein Dutzend Hersteller präsentierte.
Die Demonstrationen reichten vom Falten von kleinen Windrädern, Steuerung von Marionetten bis hin zum Austeilen von Spielkarten – immerhin war das im Spielerparadies Las Vegas. Am beeindruckendsten waren dabei die Roboterhände von Sharpa, einem Hersteller, der sich auf Herstellung dieser Präzisionsmechanik spezialisiert hat. In einem Video zeigt das chinesische Unternehmen, wie viele Teile und welche Komponenten in SharpaWave-Hand einfließen.
Die Hände sind je nach Aufgabe immensen Belastungen ausgesetzt. So hat Figure.AI ein Bild von Händen des Figure 02-Roboters nach mehreren Monaten Einsatz in der BMW-Fabrik in Spartanburg gezeigt, auf denen Abnutzungsspuren deutlich erkennbar sind.

Vor einigen Monaten stellte 1X Technology aus Palo Alto die Hände für den NEO Gamma vor, die sich durch die Verwendung von Sehnen auszeichneten.
Ein anderes Designprinzip verfolgt die polnische Firma Clone Robotics mit ihren McKibben oder künstlichen pneumatischen Muskeln.
Die unterschiedlichen Ansätze werden mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen der einzelnen Systeme begründet, und es ist interessant, diese mal hervorzustreichen.
Bei von Sehnen gesteuerten Händen befinden sich die Motoren im Unterarm. Kabel ziehen an den Fingern und steuern diese, ähnlich wie die Sehnen in einer menschlichen Hand.
Bei von Aktuatoren gesteuerten Händen befinden sich die Aktuatoren direkt in der Handfläche oder im Fingersegment, das er steuert.
| Typ | Vorteile | Herausforderungen | Beispiele |
| Sehnen | – Leichte Finger – Hohe Geschicklichkeit – Menschenähnliche Flexibilität | – Komplexe Herstellung – Komplexe Kalibrierung – Aufwendigere Wartung – Reparaturen erfordern -Zerlegung | Tesla Optimus V3 1X NEO Agibot OmniHand Pro |
| Aktuatoren | – Einfachere Kontrollarchitektur – Leichterer Zusammenbau – Einfachere Wartung und Austausch | – Schwerere Finger – Möglicherweise geringere Geschicklichkeit – Schwierigeres Temperaturmanagement | Figure 03 Unitree Dex5-1 Sharpa Wave ROBOTIS HX5 |
| McKibben | – sehr schnelles und sehr langsames Greifen – hohes Tragegewicht – fühlt sich menschlicher an | – Komplexe Kalibrierung – Höhere Lautstärke durch Kompression und Dekompression | Clone Robotics |
Keine der Architekturen hat sich bislang eindeutig durchgesetzt oder scheint auf dem Weg, die Oberhand zu gewinnen. Sehnenangetriebene Systeme legen den Schwerpunkt auf eine geringe distale Masse, also Gewicht das vom Rumpf bzw. Körper entfernt ist, sowie auf menschenähnliche Fingerfertigkeit. In-Finger-Aktuatoren-Systeme legen den Schwerpunkt auf Einfachheit, Modularität und Wartungsfreundlichkeit. Die eigentliche Frage ist, welche Architektur sich als überlegen erweisen wird, sobald humanoide Roboter den Schritt vom Prototyp zur Serienproduktion schaffen.
Spannend wird dabei auch zu beobachten, wie sich Roboterhände von den biologischen Vorbildern weiterentwickeln. Wie das folgende Video zeigt, können die Grenzen menschlicher Hände geschickt überwunden werden und dabei übermenschliche Fähigkeiten entwickeln.
Dabei haben wir noch einen Bereich völlig ausgelassen, den menschliche Hände auch bieten: das Fühlen. DXresearch.eu hat dazu eine kleine Infografik gemacht.

Auch unter den Gründern der Humanoidenhersteller herrscht Uneinigkeit. 1X Technologies-Gründer und CEO Bernt Børnich, meinte dazu:
Millionen von Zyklen unter Last später … Ich hoffe, du hast inzwischen akzeptiert, dass es eine Frage der Fertigkeit ist.
Figure.AI-Gründer und CEO Brett Adcock wiederum wird mit der Aussgae zitiert:
Der größte technische Fehler, den ich bei Figure begangen habe, war die Konstruktion einer auf Sehnen basierenden Hand.
Auch Elon Musk, der mit Tesla den Optimus entwickelt, meinte:
So etwas wie diese Sehnen muss in Optimus neu konstruiert werden.
Wer Recht hat oder nicht, sagt uns hoffentlich bald das Licht.
Mehr zu humanoiden Robotern gibt es in meinem neuesten Buch HOMO SYNTHETICUS: Wie Mensch und Maschine verschmelzen. Erhältlich in jedem guten Buchhandel.


