Die Ankunft von ChatGPT vor 15 Monaten und was dieser Sprachbot kann, war für viele so überraschend, dass diese KI nach wie vor die Diskussionen in der Öffentlichkeit dominiert. Was macht uns zu Menschen? Müssen wir KI regulieren? Wohin wird uns das führen?
Dabei habe ich in meinem aktuellen KI-Buch Kreative Intelligenz einen Ausblick gegeben, wie sich generative KI entwickeln wird und was wir erwarten können. Ich verglich das mit dem Web 1.0/2.0/3.0. Vom statischen Internet zu einem mit Online Banking, Bezahlsystemen, mobilem Internet und dynamischen Inhalten zu einem mit Kryptowährungen, Metaverse, AR und VR.
Einen ähnlichen Wandel durchläuft gerade die KI. War ChatGPT in der ersten Phase noch eine einzelnstehende KI sehen wir in der zweiten Phase eine Integration mit anderen Softwaresystemen wie Microsoft Office, Github, Videowerkzeuge oder Adobe Photoshop, in der KI selbständig viele Aufgaben übernehen kann, die vorher von Menschen gemacht wurden. Diese zweite Stufe der KI nennen wir autonome KI oder KI-Assistenten.

In der dritten Phase erhält die KI einen Körper. Sie wird in Autos als Sprachbot integriert, im AI Pin von hu.ma.ne in ein ansteckbares mobiles Gerät, oder auf Robotern.
Dauerte es beim Web noch etwa 25 Jahre, bis wir von Web 1.0 zum heutigen Web 3.0 gelangten, so durchschreitet die KI von der Version 1.0 zu Version 3.0 in einem Zehntel der Zeit. Denn 15 Monate nach dem Launch von ChatGPT durch OpenAI und den Reaktionen der Konkurrenz wie Google oder Meta die mit ihre eigenen Sprachmodelle wie Gemini, Llama oder Claude nachzogen, sehen wir nun die ersten Beispiele, wo diese KIs in Roboter integriert werden.

Die Robotikfirma Figure.AI, die im kalifornischen Sunnyvale gerade mal 45 Autominuten südlich von San Francisco beheimatet ist, veröffentlichte absolut beeindruckende Videos ihres humanoiden Roboters Figure 01, der ChatGPT integriert hat und neben Gesprächen auch menschliche Tätigkeiten durchführen kann.
Im nachfolgenden Video sehen wir, wie der Roboter mittels einer Stimme beschreibt, welche Objekte sich auf dem Tisch vor ihm befinden, reicht dem menschlichen Instrukteur mit der Bitte, ihm etwas Essbares zu geben, den Apfel, sortiert Müll in einen Korb während er dem Menschen erklärt, warum er ihm auf die Aufforderung nach dem Reichen von etwas Essbaren den Apfel gegeben hat, und erklärt dem Menschen dann auch, was er mit dem Becher und dem Teller vor ihm vermutlich machen soll: nämlich in die Abtropftasse stellen.
Mit KI wird die Robotikentwicklung plötzlich dramatisch beschleunigt. Zuerst einmal können Sprachmodelle wir ChatGPT natürlichen klingende Texte erstellen und damit eine Konversation mit Menschen führen. Dann können dank der generativen KI auch Objekte erkannt und deren Kontext abgerufen werden. Und letztendlich können die Ansätze der generativen KI dazu verwendet werden, dass Roboter sich selbst trainieren, so dass, statt wie bisher, ihnen kein Mensch die Bewegung mühsam beibringen muss. Das nachfolgende Video zeigt, wie eine Roboterhand sich selbst dank KI trainiert, ihre Finger zu bewegen und Objekte geschickt zu manipulieren:
Die KI-Entwicklung, die ich in meinem vor drei Monaten erschienenen Buch Kreative Intelligenz auf einer Zeitlinie bereits vorgezeichnet habe, können wir nun Live erleben. Und dass dieses Video am selben Tag erscheint, wie die Verabschiedung des EU AI Act, zeigt, dass die KI-Entwicklung der Gesetzgebung bereits wieder große Schritte voraus ist und der EU AI Act eigentlich schon wieder revidiert und ergänzt werden müsste.
Übrigens ist neben meinem zweiten und druckfrischen KI-Buch Kreative Intelligenz mein 2020 erschienenes erstes Buch zu KI, Wenn Affen von Affen lernen, gerade als Taschenbuch in den Buchhandel gekommen. Dort behandelte ich bereits viele philosophische Fragen zur KI.
Mit anderen Worten: es bleibt spannend und meine Bücher sind ein guter Einstieg!



Ein Gedanke zu “ChatGPT: Vom Sprachbot zum echten Roboter”