Denkende Maschinen sind schon seit Jahrtausende der Stoff für Göttersagen, Legenden, Theaterstücke, Geschichten und Filme. Aber auch wie beschränkt solche Maschinen dabei sind, weil ihnen der Hausverstand fehlt. Der Bronzeriese Talos, der die Insel Kreta vor Feinden schützen sollte, konnte zwar zwischen Freund und Feind unterscheiden, wusste aber nicht, dass Schiffbrüchige weder noch sein konnten. Jason und die Argonauten konnten dank Medea dem Tod entrinnen, indem sie Talos überlisteten und ihm das Gottesblut Ichor abnahmen, das ihn erst zu einem animierten, denkenden Objekt gemacht hatte. In meinem KI-Buch Wenn Affen von Affen lernen habe ich diese Sage erwähnt.
Wie aber denken wir Menschen über denkende Maschinen? Oft mit ebenso wenig Hausverstand, dafür aber mit viel Bauchgefühl. Und das ist nur bedingt hilfreich und führt in vielen Fällen zu falschen Schlüssen. Wharton Professor Ethan Mollick, der sich mit seiner intensiven Beschäftigung mit unterschiedlichen generativen künstlichen Intelligenzen einen Namen gemacht hat, stand Forbes zu einem Interview bereit, in dem er über den Einsatz von KI in Unternehmen reflektiert und welche Fragen Vorstände stellen sollten.
Laut Mollick richtet sich oft der erste Fokus von Entscheidungsträgern auf die Einsparungspotenziale durch den Einsatz von KI. Die Logik dabei ist, dass ich beispielsweise mit einer Programmier-KI Code schneller erzeugen und damit Softwareentwickler einsparen könnte. Oder Supportmitarbeiter durch einen KI-Bot ersetzen kann.
Doch das wäre zu eng gedacht und würde das Potential der KI nicht ausschöpfen, sagt Mollick. Er schlägt Entscheidungsträgern vier Fragen vor, die sie sich stellen sollten:
- Was haben Sie getan, das wertvoll war und nicht mehr wertvoll ist?
- Welche unmöglichen Dinge können Sie jetzt tun, die Sie vorher nicht tun konnten?
- Was können Sie demokratisieren und auf den Markt bringen?
- Was können Sie im oberen Marktsegment tun, so dass Sie neue Möglichkeiten des Wettbewerbs haben?
Die Produktionssteigerungen kommen eben nicht allein davon, dass man die Maschine nun Mitarbeitende ersetzen lässt. Jede neue Technologie öffnet einen neuen Raum an Möglichkeiten. Das Smartphone hat nicht nur einfach das Handy oder Festnetztelefon ersetzt, denn wer verwendet das Smartphone wirklich noch vorwiegend zum telefonieren? Es ergaben sich völlig neue Anwendungszwecke, vom Navigationssystem, zur Kamera, vom Terminkalender bis hin zur Dating-App und Spielekonsole. Und das alles in einem Gerät.
Mit der Erfindung von Elektrizität und Elektromotoren konnten nicht nur einfach Dampfmaschinen, um die zentral die Fertigungsmaschinen arrangiert waren, ersetzt werden, Elektromotoren konnten auch kleiner dimensioniert werden, was bei Dampfmaschinen selbst nicht wirtschaftlich war. Viele kleine Elektromotoren erlaubten aber den Produktionsprozess neu und effizienter zu denken. Das geschah übrigens weniger rasch als man meinen möchte, denn die alte Denke, dass man einen großen zentralen Antrieb hat, wollte nicht so einfach verschwinden.
Heutige Entscheidungsträger stehen vor der Aufgabe, Anwendungszwecke für die KI in ihren Unternehmen zu entdecken. Denn wie Mollick noch hinzufügt, sähe die Zukunft nicht mehr so rosig aus:
Wenn Sie Ihre Produktivität mit weniger Mitarbeitern auf dem gleichen Stand halten, werden Sie in einer Welt, in der andere Produktivitätssteigerungen erzielen, nicht gewinnen. Sie werden unterlegen sein.
Das ganze Interview mit Ethan Mollick (auf Englisch) gibt es hier.

Ein Gedanke zu “Wie man über KI denken sollte”