Trend: „Going Elon“ mit KI

Als Elon Musk 2022 Twitter übernahm, feuerte er gleich mal 80 Prozent der Belegschaft. Seiner Meinung nach beschäftigte Twitter zu viele unnütze, „woke“ Mitarbeiter, die nur die Redefreiheit beschränken würden. Was Beobachter erwartet hatten, nämlich dass als Konsequenz die Twitter-Plattform crashen oder zumindest unter Performanceeinbrüchen leiden würde, trat nicht ein. Auch vermutlich, weil viele im Übereifer oder durch überzogene Anforderungen gekündigte Schlüsseltalente rasch wieder eingestellt werden mussten.

Allerdings ist zu sehen, dass viele der entlassenen und vermeintlich unwesentlichen Mitarbeiter sehr wohl wichtige Arbeit leisteten, deren Ergebnisse sich langfristig manifestieren. Moderatoren, die Hassrede und Cybermobbying hintanhalten tragen zu einem langfristigen Engagement der Community bei. Andere, die auf die Einhaltung von lokalen Gesetzgebungen achten, ersparen der Plattform Gerichtsklagen und empfindliche Strafen, wie sie die EU schon verhängt hat.

Der Begriff, der sich für Elon Musks Verhalten bei Twitter in der Startup-Szene eingebürgert hat, ist „Going Elon„. Dahinter steht die Frage, wie viele Mitarbeiter ein Unternehmen entlassen kann, ohne dass das Unternehmen zusammenbricht. Es ist im Prinzip wie beim Geschicklichkeitsspiel Jenga. Dort entfernen die Spieler einen Baustein nach dem anderen aus einem Turm, bis dieser zusammenbricht. Bausteine, die keine tragende Wirkung haben, werden herausgezogen. Der Nachteil ist, dass der Turm instabiler wird.

Viele Startupgründer, die sehr auf die Ausgaben achten müssen, achteten sehr stark auf Musks Vorgehensweise. Die kurzfristigen Erfolge bei Twitter schienen zu verführerisch. Achtzig Prozent weniger Personalkosten bei nur wenig schlechterer Performance. Die Langfristigen Auswirkungen wurden da eher nebensächlich, denn wenn es ums tägliche Überleben geht, zählt der Spatz in der Hand mehr als die Taube am Dach.

War „Going Elon“ 2022 vielen noch zu riskant, so hat sich das geändert. Dank künstlicher Intelligenz sehen Startupgründer nun ihre Chance gekommen, die Lücken mit ihr zu ersetzen. Was früher zwei Designer und 5 Programmierer leisteten, machen nun ein Designer und zwei Programmierer in Kombination mit KI-Werkzeugen.

Gleich mehrere Startupgründer erwähnten in Gesprächen vergangene Woche, als ich mit dem Vorstand eines IT-Unternehmens aus Deutschland durchs Silicon Valley tourte, dass sie bereits Personal abgebaut hatten und stattdessen vermehrt auf KI setzen. Und die positiven Ergebnisse lassen sie nun an weitere Reduktionen denken. Es kam – bislang – zu keinen katastrophalen Auswirkungen. KI hatte eine stabilisierende Wirkung.

„Going Elon“ wird durch KI nun wirklich für alle mit viel weniger Risiko möglich und bringt allen Seiten Vorteile. Gründer brauchen weniger Geld, um ein Startup zu gründen. Auch stehen sie nun um weniger Talente im Wettbewerb, als bisher, denn KI liefert künstliche Mitarbeiter. Und für Endbenutzer bringt es billigere und eine größere Auswahl an Dienstleistungen und Produkte.

Führungskräfte müssen sich nun die Frage stellen: kann ich im eigenen Unternehmen mit „Going Elon mit KI“ Ressourcen sparen und dabei mehr und bessere Leistung bringen? Wie stark kann ich den Output erhöhen, wenn ich 80 Prozent der Mitarbeiter entlasse, und die verbleibenden Topperformer mit KI unterstütze? Das mag für einige oder sogar viele Unternehmen lebensverändernd werden. Und wenn man es nicht selbst macht, dann macht es vermutlich die Konkurrenz.

Ein Gedanke zu “Trend: „Going Elon“ mit KI

Kommentar verfassen