Wie riechen Roboter?

Ein Caffè macchiato ist im Prinzip nichts anderes als ein Espresso, oder für Wiener: ein Mokka, mit einer kleine Menge an aufgeschäumter Milch. Das ist meine Standardbestellung in den Cafés in der San Francisco Bay Area. Ob Latte, Capuccino, Melange oder Macchiatone, blöd wird’s, wenn die Milch verdorben ist. Menschen riechen sofort, ob Milch – oder andere Lebensmittel – hinüber sind. Aber wie ist das mit Robotern, die uns hoffentlich bald den Kaffee servieren werden? Wie erkennen diese künstlichen Helferlein genießbares oder verdorbenes Essen?

Das bringt uns zu dem Sinn, dem in der Robotik bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sehen, Tasten, Hören – alles Sinne, die einen Roboter die Umgebung wahrnehmen und darin navigieren lassen. Aber riechen?

Menschen riechen

Es stellt sich heraus, dass der Geruchssinn für Menschen wichtiger ist als gedacht, auch wenn viele Tiere über einen besser ausgeprägten Sinn für olfaktorische Erfahrungen als Menschen haben. Doch auch wir Menschen sind stärker von Gerüchen beeinflusst, als wir meinen und uns eingestehen würden. Für die Partnerwahl ist Geruch sehr bedeutend und kann durch hormonelle Schwankungen beeinflusst werden. Menschen, die einen uns unangenehmen Geruch zu scheinen haben, sind genetisch zu sehr mit uns verwandt, deshalb tendieren wir bei der Partnerwahl diese auszuschließen. Wenn, ja wenn wir nicht durch externe Hormonzugaben wie der Antibabypille im Geruch getäuscht würden und eine falsche Wahl treffen. Die geruchliche Überraschung bei Absetzung der Pille hat schon so manche Beziehung beendet.

Auch der Kapitalismus hat den Geruch als Kaufanreiz erkannt. Ich meine damit weniger in Form von Parfums oder Duftkerzen, die den Menschen angedreht werden, sondern in der einer Stimmungshebung in einem Geschäftslokal oder Haus. Makler bitten die Eigentümer vor den Besichtigungen, noch Kekse im Ofen zu backen. Der warme, süßliche Geruch von frischen Plätzchen hebt bei den Interessierten sofort die Stimmung und macht die Wohnung heimeliger. Wir sind schon alle Opfer dieser Taktik geworden, wenn wir an den Geruch von frischem Gebäck, der durch Bahnhöfe und U-Bahnstationen wabert, denken. Die Filialen sind dazu übergegangen, industriell zubereiteten Teig vor Ort aufzubacken. Der resultierende köstliche Geruch zieht die eiligen Pendler an, wie das Licht die Motten.

Ich selbst schnüffle auch an Produkten. Sofort nachdem ich Bücher, und hier speziell Bildbände und Folianten, erhalten habe, stecke ich meinen Gesichtserker in die Seiten und sauge den Duft von Tinte und Papier ein. Nur ablecken tu ich sie – noch – nicht.

Tiere riechen

Bei Tieren wiederum kann der Geruchssinn so stark ausgeprägt sein, dass wir sie für unsere Zwecke einsetzen. Wir haben von den Spürhunden gehört, die Vermisste oder Flüchtige suchen oder am Flughafen Drogen im Gepäck ausschnüffeln können. Dem Trüffelschwein, das diesen wertvollen Pilz auffinden kann. Oder Katzen und Hunden, die COVID-Infizierte oder Krebskranke am Geruch erkennen. Oder die Katze Oscar, die im Steere House Nursing and Rehabilitation Center“ in Providence im US-Bundesstaa Rhode Island lebte. Wann immer die Katze sich in diesem Hospiz auf das Bett eines Patienten legte, dann riefen die Ärzte und Pfleger sofort die Angehörigen an, denn der Tod stand bevor. Oscar, so wird vermutet, konnte den nahestehenden Tod „erschnuppern“, und den Sterbenden Gesellschaft in den letzten Stunden ihres Lebens leisten.

Bei einer Fußoperation vor vielen Jahren schnüffelte mein Fußdoktor auch an meiner Fußsohle, um zu sehen, ob ich Fußpilz oder andere Krankheiten habe. Medizinisch ist Geruch auch für die Ärzteschaft ganz bestimmt ein Erkennungsmittel für Krankheiten, und nicht nur für Oscar.

Umgekehrt riechen Tiere auch. Hunde „hundeln“. Speziell wenn Hunde, wie für sie normal, Fleisch essen. Sind die Tierbesitzer Veganer oder Vegetariker, dann verabreichen sie oft ihren Haustieren ebenso eine fleischarme oder fleischlose Diät. Die Hunde verlieren dann ihren hundetypischen Geruch, sie „hundeln“ nicht mehr. Wie übrigens auch Menschen. Veganer und Vegetarier bevorzugen dann auf Dating-Apps ebensolche fleischlos glücklichen Partner, damit dem fleischlichen Genuss der lustvollen Art nicht der durch Fleischverzehr bedingte Körpergeruch in die Quere kommt.

Roboter riechen

Wenn wir nun mit humanoiden Robotern neue Helferlein in unserem unmittelbaren Lebensumfeld haben, dann sollten wir ebenso über den Geruchssinn sprechen. Einerseits wollen wir, dass Roboter verdorbene Lebensmittel erkennen und diese uns nicht servieren, sondern entsorgen, oder Erbrochenes in einem autonomen Auto erkennen und entfernen, wie auch tote Nagetiere, die sich vielleicht wo eingeschlichen haben und dann verstorben sind, und nun einen bestialischen Geruch verbreiten.

Doch der Maschinengeruchssinn steckt noch in den Kinderschuhen. Gaschromatographen oder spektroskopische Analysegeräte, um flüchtige Verbindungen zu identifizieren, sind zu langsam, zu groß und sperrig, zu anfällig und zu teuer, um als praktische künstliche Nase zu dienen.

Doch etwas erriechen ist nur eine Seite der Medaille. Wie steckt es mit dem Geruch von Robotern selbst? Aromen, die in Räumen die Stimmung heben sollen, sind gang und gäbe. Und dieser dehnt sich auch auf mobile Räume, wie Autos. Wer kennt ihn nicht, den Neue-Auto-Geruch? Der wird vor allem durch die noch verdampfenden Kleber und Farben verursacht. Der Geruch von frischem Regen, der sogar einen Namen hat: Petrichor.

Aber wie riechen eigentlich Roboter selbst? Und ist es wichtig, dass sie selbst einen Geruch ausströmen? Das zumindest meinen Automobilzulieferer, die bereits Einbauten für Robotaxis anbieten, bei denen Benutzer sich ihren Geruch per App aussuchen können, und dieser wird dann vor Betreten des Fahrzeugs aus Aromadüsen ausgeströmt.

Der Neue-Roboter-Geruch, aus Plastik und Metall, Schmieröl, Klebern und Farbmittel ist vermutlich nicht einer, den wir in einem Wohnzimmer oder der Küche wahrnehmen wollen. Humanoide Roboter, die eine Mischung aus künstlicher Intelligenz, mechanischem Roboter und organischen Gewebe darstellen, sollten lebendig und angenehm riechen, um die Akzeptanz zu erhöhen. Doch darf dieser Geruch nicht überwältigen, er sollte subtil und wenig aufdringlich sein. Und diese Geruchsgrenze ist für jede und jeden von uns anders.

Nach dem Personal Computer (PC), dem Personal Digital Assistant (PDA) kommt nun der persönliche, humanoide Roboter (PHR). Und dieser genauso auf unsere individuellen Bedürfnisse eingestellt sein, wie es heute kein Smartphone gibt, das genau dieselben Einstellungen und Apps hat, wie ein anderes. Und das inkludiert den Geruch des Personal Roboters.

Funktionaler Duft und künstlicher Geruchssinn wird bei dieser neuen Form von künstlichem Leben erst so richtig an Bedeutung gewinnen und sehr persönlich sein. Wie schon der Geruch die Partnerwahl beeinflusst, so auch die Wahl unseres persönlichen Roboters. Der Beruf der Nase, wie diese hochbegabten Parfümeure auch genannt werden, wird erst jetzt seine Hochblüte erleben.

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