Warum die KI-Blase doch nicht platzt

Handelsblatt, manager-magazin und andere Medien malen seit Monaten die bevorstehende Katastrophe an die Wand: die KI-Blase wird bald platzen, es wird zum KI-Crash kommen. Diese Warnungen sprechen vor allem europäische Medien aus, nicht so in den USA. Denn dort sieht man in künstlicher Intelligenz ein Potenzial, das europäische Experten und Medien nicht sehen wollen – oder können.

Schon vor ein paar Wochen habe ich im Beitrag KI-Blase? Ein Märchen für Angsthasen dargelegt, warum diese Befürchtungen aus der Luft gegriffen sind. Und auch, warum diese Technologie nicht mit der Internetblase verglichen werden kann.

Blasen: KI versus Internet

Zuerst waren bei der Internetblase um 2000 die Firmen, die Pleite gegangen sind oft Startups, die mit Risikokapital finanziert die Bewertungen und Erwartungen in die Höhe getrieben haben. Als dann kein frisches Risikokapital mehr nachkam, brach alles ein. Bei künstlicher Intelligenz ist es anders. Die beteiligten Unternehmen sind alle hochprofitabel. Die Beträge, die Techgiganten wie Microsoft, Google, Apple oder Nvidia in den Ausbau von KI-Infrastruktur und das Training von neuen KI-Modellen stecken, sind nur ein Teil des Gewinnes, den diese Unternehmen jedes Quartal einstreichen. Selbst wenn die Investitionen abgeschrieben werden müssen, diese Unternehmen sind damit immer noch hochprofitabel und liquide.

Zweitens betrachten die Skeptiker und KI-Blasen-Warner KI zu beschränkt. Sie haben vor allem Chatbots – also große Sprachmodelle (LLM) – im Hinterkopf, wenn sie von KI sprechen. Dabei sind diese LLMs der kleinste Teil der gesamten KI-Welt, und gar nicht mal der rechenintensivste. Schon KI-Agenten, wo Sprachmodelle mit anderen Softwaretools zu unabhängigen Agenten kombiniert werden, die komplexe Aufgaben selbständig erledigen können, benötigen mehr Prozessorzeit und damit auch Datenzentren.

KI Agent

Dabei hat das Zeitalter der KI noch nicht mal richtig abgehoben, denn nach der einzelnstehenden KI, wie eben Chatbots, und autonomer KI beziehungsweise KI-Agenten, folgt nun die physische oder verkörperte KI.

Künstliche Intelligenz ist in Autos, Robotern, Maschinen oder Drohnen eingebettet und lässt diese zu autonomen Akteuren in unserer physischen Welt werden. Autonome Autos wie die von Waymo oder Zoox stehen erst am Beginn, unsere Straßen zu bevölkern. Und sie brauchen nicht nur lokale KI-Chips im Gerät selbst, sondern Zugriff zu potenten Datenzentren, die entsprechende Rechenleistung bieten.

Humanoide Roboter, deren Zahlen bis 2040 auf eine Milliarde und mehr geschätzt werden, werden so viele komplexe Aufgaben im Haushalt, in Fabriken und Büros, oder in im offenen Raum vornehmen, dass sie ohne Datenzentren und KI-Werkzeugen nicht auskommen. Die Rechenleistung, die heute Chatbots benötigen, und die uns so gigantisch vorkommen, werden vor den Anforderungen der physischen KI verblassen.

Damit sind die geschätzten $600 bis $700 Milliarden, die die Techgiganten in den Ausbau und die Entwicklung von KI und KI-Infrastruktur allein 2025 gesteckt haben, wirklich erst der Beginn. Die von OpenAI-CEO Sam Altman genannten $7 Billionen (also $7.000 Milliarden) erweisen sich jetzt schon als ziemlich gute und überprüfbare Schätzung, welche Summen notwendig sein werden.

Warum aber liegen europäische Medien und Experten so falsch?

Gute Frage. Ist es die alles durchdringende und leitende Skepsis, die in Neuem vor allen die Risiken und Gefahren sieht, nicht aber die Chancen? Ist es eine gewisse Überheblichkeit zu allem, was aus den USA oder China kommt? Oder die Unmöglichkeit, Chancen, Möglichkeiten und Potenziale zu sehen? Sind es fehlende Visionen, die es ihnen unmöglich machen, neue Technologien aus der Perspektive des Bekannten, nicht aber der zukünftigen Möglichkeiten zu betrachten?

Dabei liegen die Projektionen über kommende Konsumenten mit großem Appetit auf KI-Rechenleistung ihnen auch vor. Robotaxis, humanoide Roboter und Co. werden alles was Chatbots davon brauchen in den Schatten stellen. Die KI-Investitionen sind damit nicht nur gut angelegt, sie müssen auch nochmals verstärkt werden. Aber zukünftige Potenziale sind schwieriger und weniger lukrativ an die Leser und Öffentlichkeit zu verkaufen, als Warnungen auszustoßen, Angstinstinkte zu appellieren, und sich selbst als diejenigen zu positionieren, die als Einzige den Durchblick haben und es immer schon gesagt haben.

Notiz am Rande

Deutschland selbst hätte 2025 vergleichsweise $125 bis $150 Milliarden stecken müssen, um auf Bevölkerungszahlen umgelegt mit den USA Schritt halten zu können. Bitkom schätzt die Investitionen der Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland 2025 auf rund 12 Milliarden Euro in IT‑Hardware und weitere 3,5 Milliarden Euro in Gebäude und technische Ausrüstung, also insgesamt etwa 15,5 Milliarden Euro.

Eine Diskrepanz, die frappierend ist und auch die Frage beantwortet, inwieweit Deutschland bzw. Europa diese Entwicklungen vorantreiben werden oder führend in dieser Technologie sein können.

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